Graf Mirabcau's Vergangenheit.
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ihm „eine Intelligenz, ein Gedächtniß, eine Fähigkeit, die ergreift,inil Staunen, ja mit Schrecken erfüllt", morgen sieht er in ihm„ein Nichts, das den Leuten Sand in die Augen streut und ausdem nur ein Viertclsmensch werden wird".
Das Mißverhältniß zwischen Vater und Sohn schärfte sichan dein häuslichen Unfrieden; der Letztere, der dem Vater gern dieZähne wies, hatte stets die Mutter auf seiner Seite und die Ränkeder Frau von Paillh, die Hetzereien eines alten Bedienten thatendas Ihrige, diese Wunde stets offen zu halten. Der Sohn aberlernte in dieser Schule Alles von dem Einfluß erwarten, den erauf Andere ausübte, lernte die Virtuosität, die Menschen zu bearbeiten und zu geschmeidigen nach seinem Willen; das zeigte siebinsbesondere an den Erziehern und Aufsehern, die ihm der Vaterbestellte, die seine Zuchtmeister werden sollten und statt dessen seineBeschützer wurden gegen die rauhe Strenge des Vaters, so daßdieser oft genug in Verzweiflung gerieth. So wuchs er zum Jüng-ling heran. Bei aller Bitterkeit, von welcher die Briefe des Va-ters gegen ihn zeugen, hören wir doch nicht, daß auch nur eineinziger wirklich schlechter Streich sein Thun bezeichnet hätte; wasder Vater ihm vorwirft, sind meist Kindereien und seine wirk-lichen Fehler hätte er vor Allem an sich selber tadeln müssen; aberein unbändiger leidenschaftlicher Jüngling war er, mit allen Feh-lern seines Hauses und namentlich der Mirabeau'schen Sinnlich-keit und Genußsucht. Mit der steigenden Heftigkeit des ehelichenZwistes wuchs die Erbitterung des Vaters gegen den Jüngling,denn dieser stand wie eine Art Wächter im Hanse zwischen derMutter und der Maitresse des Vaters und war der natürlicheAnwalt der Ersteren: er mußte aus dem Hanse. Erst kam er«1764) in die militärische Erziehungsanstalt des strengen Abb«;Ehocquard, wo er neben den ritterlichen Künsten sich in den altenund den neueren Sprachen, in Musik und Mathematik tüchtigeKenntnisse erwarb; von hier wurde er 1767 in das Reiterregimentdes wegen seiner tyrannischen Disciplin verrufenen Marquis Lam-bert und in eine Garnison gesteckt, wo man nöthigenfalls vor Lange-weile sterben konnte, nach Saintcs. Eine ganze Bibliothek imKopfe, mit Menschen und Verhältnissen mehr vertraut, als sonstjunge Leute zu sein pflegen, von stärkeren Leidenschaften erfülltals sonst Einer in seinem Alter, ward Mirabeau in eine kleine