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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Einleitung. §. 4.

Garnison geworfen, um dort ein ordentlicher Mensch zu werden.Das Ergebniß ließ sich ungefähr voranssehen. Von allen Lieute-nants war er bald der berühmteste, in allen Liebes- und Ehren-handeln war er voran, er spielte und zechte, Schulden verstandensich von selbst und doch war das ganze Städtchen von ihm bezau-bert, war sein Ansehu und Credit unbegrenzt; 30,000 Livres,schreibt der Commandant, hätten sie ihm geborgt, wenn sie so vielbeisammen gehabt hätten. Sehr bald zerfiel er mit seinem Ober-sten, dem er in einer Liebesgeschichte den Rang abgelaufen hatte.Der Vater war wüthend:Ein sehr enger Kerker soll seinen Ap-petit mäßigen und seine Taille dünner machen." Honorä fliehtund findet in Paris bei Freunden Schutz. Der Gedanke tauchternstlich auf, ihn in die holländischen Eolonieu, d. h. in densichern Tod zu schicken. Selbst der wohlwollende Oheim hat ihnaufgegeben und meint, man müsse ein Ende machen mit einemUnglücklichen, der zum Kummer seiner Eltern und zur Schandeseines Hauses geboren sei."

Die Wuth des Obersten und des Vaters begnügte sich vorerstnoch, eine iattrv clo vnvliet gegen ihn auszuwirken; ein Siegel-brief mit dem nachgemachten Namen des Königs reichte damalshin, Einen auf unbestimmte Zeit in's Gefängniß zu bringen, eineVerwaltungsjustiz entsetzlichster Art.

Honorü kam auf die Insel Rhe, gegenüber Marseille.Erist jetzt," schreibt der Vater im August i768 an den Malteser,denke ich, gut eiugckäfigt; ich habe ihn dem Gouverneur d'Aulaugut empfohlen: ich habe ihm geschrieben, er sei ein Rasender, einOuerkopf, ein Gewohnheitslügner." Hier sollte also das zu Saintesmißlungene Heilverfahren noch einmal angewendet werden undmißlang es, so stand Surinam im Hintergrund. Ein pädagogi-sches Mittel dieser Art ist für einen schwachen Geist gerade hin-reichend, ihn irrsinnig zu machen, für einen starken eher, ihn völligzu verhärten und zu verwildern. Etwas der Art mochte der alteMirabeau auch wohl fürchten. Seine äußeren Verhältnisse hattensich verschlimmert, die Mutter drohte mit einem skandalösen Pro-ceß, von dem verwilderten Sohn, wenn er aus dem Gefängnißentkam, war für den Fall das Schlimmste zu befürchten, und schonwußte der Vater, daß dieser auch deu neuen Zuchtmeisterbehext"habe: so wünschte er sich seiner auf immer zu entledigen und