Graf Mirabeau's Vergangenheit.
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ließ ihn nur frei, um ihn über Meer zu schicken. Es ging da-mals eine Expedition gegen Eorsika. Die Genueser hatten dieInsel an Frankreich verkauft, aber das alte wilde Räubervolkwehrte sich gegen die Käufer, es kam zu einem entsetzlichen Ban-denkrieg in den Gebirgen der Insel, dorthin schickte man noch einpaar verlorene Regimenter als Kanonenfutter und für eines vondiesen hatte der Marquis seinem Sohn eine Lieutenantsstelle ge-kauft; mit welchen Gesinnungen, lehrt der Brief, worin er demBruder schreibt, „er schwebe jetzt zwischen der Hoffnung, eine in-teressante Nachkommenschaft «durch Verheirathung einer Tochter)zu erhalten und dem Wunsche, eine sehr verhaßte Nachkommen-schaft los zu werden, die ihm glühende Kohlen unter die Füßestreue und das Schwert gezückt über seinem Haupte halte." Alsonicht wegen seiner wirklichen Fehler haßt er den Sohn, sondernweil er in dem traurigen Conflikt zwischen seinen Eltern auf Sei-ten der Mutter steht.
Mirabeau kam in einen entsetzlichen Krieg des Meuchelmor-des und der bestialischen Vertilgungswuth; das schien eine so un-fehlbare Versicherung des Todes, daß man erwarten konnte, derjunge Graf werde nicht zurückkommen, aber er kam zurück undmit Ehren. In dem kurzen Feldzug hatte er die starken, gewal-tigen Seiten seiner diatur wiedergefunden, die sich im Garnison-leben nur durch Verirrnngen kund gegeben hatten, der Lieutenantwar bald ein hervorragender Offizier und erhielt die Anwartschaftauf eine Hauptmannsstelle, die Soldaten hingen an ihm wie aneinem Abgott, er war in Zucht und Strenge ein echter Mirabeau,aber er war auch ein ganzer Soldat und theilte mit seinen Un-tergebenen 'Noth und Mühe und Gefahr.
Er kam zurück, nicht wie der Vater im besten Fall gedachthaben mochte als Candidat für die Galeeren, sondern als ein nam-hafter Offizier.
Mittlerweile war der Oheim in die Provence zurückgekehrt,um dort den Rest seines Lebens zu verbringen; mit ihm kam einmilderndes, versöhnendes Element in die Familie und bei ihmmeldete sich der Zurückgekehrte zuerst an. Anfangs will ihn derscheue alte Herr gar nicht vorlassen, aber bald hatte ihn der Neffeförmlich bezanbert; gewiß kam er auch unter den günstigsten Um-ständen, er war ein fertiger, erprobter Soldat, ein Mann, der die