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Erster Abschnitt, tz. 5.
neu Wunsch besser kennen lerne, so habe der König doch gewollt,daß diese neue Form nur mit der freien Zustimmung derReichsstände und mit der Gutheißung Seiner Maje-stät eingeführt werden sollte."
Am Schlüsse kam Necker, der Mann des allgemeinen Ver-trauens, dessen Rede man mit großer Spannung entgegensah.
Wenn Etwas die unbeschreibliche Selbsttäuschung dieses Man-nes kennzeichnet, so war es diese Rede. Necker holte ein umfäng-liches Manuskript hervor und las der Versammlung drei tödtlichlange Stunden Zahlen und Posten von Einnahmen und Ausga-ben vor, wobei natürlich den Hörern schon nach dem ersten Drit-tel die Geduld ausging und diese abgeschmackte Weise sollte nocheine Art Kunstgriff sein. Das Ergebniß der Vorlesung war, daßFrankreich nur eine Schuld von 56 Millionen habe und daß mandiese mit Ersparnissen decken könne. Eine finanzielle Nöthigung,zu außerordentlichen Mitteln zu schreiten, habe darum eigentlichnicht vorgelegen und nur die unermeßliche Gnade des Königs habeder Nation diese Gelegenheit gegeben, ihre Wünsche zu äußern.Also ein Stück Höfling, der sich nach oben verbeugt, und einZahlenroutinier, der nach unten jene Kunst der Zahlengruppirunghandhabt, von der wir schon früher gesprochen.
Die entscheidenden Zahlen, auf die hier Alles ankam, warenversteckt und sie lieferten ein völlig anderes Ergebniß. InWahrheit hatte der Staat im Augenblick, da jene Rede ge-halten wurde, bereits von den laufenden Einnahmen nacheinem seit Jahren üblichen Brauch anticipirt: 271 l 2 Mil-lionen, dazu kamen rückständige Renten 160 Millionen und Rück-stände der Ministerien 120 Millionen*), zusammen eine schwe-bende Schuld von 55102 Millionen, zu deren Deckung alle Mit-tel fehlten, eine Finanzlage, der ohne einen Umsturz der ganzenStaatsordnung gar nicht zu helfen war, und Angesichts dieserThatsache hatte Necker den wenig beneidenswerthen Muth, vonnur 56 Millionen zu sprechen.
Seine Rede war ein Kniff, mit der Langeweile seiner Zahlenwollte er die Leute hinhalten, und mit dem beschönigenden Ergeb-
*) Diese Ziffern gibt H. nach Sybel. Boiteau beziffert die Anticipatio-nen aus 262 Will.