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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Erster Abschnitt. §. 5.

der König gebeten, diesem alle nöthigen Nachweise zukommen zulassen.

Das war ein weltgeschichtlicher Beschluß. Das ausschließlicheSteuerbewillignngsrecht der Volksvertretung war im vollsten Um-fang in Anspruch genommen, den Staatsgläubigern die Lockunghingeworfen: wir stehen ein für die Verbindlichkeiten, die der Staateuch schuldet, und den vielen Tausenden, denen am täglichen Brodin ehr lag als an bürgerlicher Freiheit, war versprochen, daß ihrHunger gestillt werden solle.

Die Ballhaussitzung und die seanoe ro^ale-20.— 23. Juni.

In ganz Frankreich war nur eine Stimme der freudigenAnerkennung für diesen Beschluß. König und Ministerium, wennsie ihre Neigung und ihren Instinkt der Selbsterhaltung alleinbefragten, hatten alle Ursache, ihn gleichfalls gut zu heißen; siehätten sich gesagt: es ist gut so, die haben für uns die Kastanienaus dem Feuer geholt, wir stellen uns halb gezwungen und sagenJa — sie liebten ja die Privilcgirteu nicht. Aber es erneuertsich der alte Kampf der widerstrebenden Einflüsse, als deren Spiel-ball wir die Regierung kennen und nach einem Schwanken von2—3 Tagen war die Frage entschieden. Der König machte dieSache der Privilegirten zu seiner eigenen, entschloß sich, noch ein-mal seine letzten Kräfte an einen Staatsstreich zu setzen und die-sen Staatsstreich nicht für sich, sondern für seine schlimmstenFeinde zu wagen.

Der Sitzung vom 2N. Juni wurde mit großer Spannungentgegengesehen; man erwartete den Uebertritt der Mehrheit desgeistlichen Standes, welche am Tage vorher sich für gemeinsamePrüfung der Vollmachten entschieden hatte, während der Adel ge-gen die Beschlüsse vom 17. im Namen der alten „Verfassung"protestirte.

Dem massenweise zuströmenden Publikum wie den Abgeord-neten, die sich gegen 9 Uhr im Sitzungsraum zusammenfindenwollten, war eine andere Ueberraschung vorbehalten. Sie fandendie Eingänge verschlossen und von Soldaten umstellt. Eine Kund-machung, die in den Straßen verlesen wurde, erklärte dies damit,