Neue Crisis, Herzog v. Orlcans, Lafayette, Oktoberereiguisse. 1F1
gleichwohl besaß er unbestreitbar tüchtige Eigenschaften eines Partei-mannes vom ersten Rang. Was Mirabeau von Robespierre sagte:„Lacht nicht über ihn, er glaubt an das, was er sagt," das hatteer im höchsten Maße. Er war ein Fanatiker seiner Ueberzeugung,war im Stande harte Wege zu gehen, wenn es galt, seine Lehredurchzusetzen. Das brachte Napoleon so sehr gegen ihn auf. Inseinen Augen war der Mann ein Narr, der gegen das Consulatwar, allein gegenüber den Millionen, die dafür waren, und dochsollte die Prophezeiung des Narren Recht behalten.
Dabei hing der Ruhm des nordamerikanischen Krieges anihm; er schlug ein unermeßliches Vermögen in die Schanze fürdas Vaterland; Sparsamkeit oder Geiz hat er nie gekannt, liebens-würdig, anmuthig war sein ganzes Wesen. Zugleich blieb er immerder Eavalicr, wohl ein Freund des Mannes in der Blouse, aberdoch nicht so, daß er von seinem Pferd heruntergestiegen wäre undden Mann in den Arm genommen hätte. Damals war er über-dies eine jugendlich blühende, kräftige Erscheinung, wohl im Stande,das Volk für das Königthum zu begeistern, wenn er König gewe-sen wäre.
Im Jahr 1830 hat er vermocht, die Revolution im Zaumzu halten, und da war er 70 Jahre alt. Man denke sich jetzt denjungen Lafahette, an dem noch keine bittere Erinnerung haftete,den jugendlich feurigen, begeisterten Mann, in dem der altfranzö-sische Edelmann und der freisinnige Franzose der neuen Zeit ver-einigt waren!
Mit Orleans hatte er Nichts zu schaffen, er war sein persön-licher Gegner und hatte gleich bei seiner Wahl znm Befehlshaberder Nationalgarde dessen Pläne durchkreuzt; obwohl höchst unzu-frieden mit der Haltung des Königs und des Hofes, wollte ernicht entfernt an den Thron selber rühren; in seiner unklarenAnschauung hatte er sich eine Art erblicher Präsidentschaft stattdes Thrones erdacht. Gefährlicher als sein Programm war derOptimismus, der so leicht und oft mißbraucht wurde, war dieTäuschung, der er sich über die Folgen seiner gutgemeinten An-schläge hingab.
Am Morgen des 5. Oktober sammelten sich Weiber, Kinder,Müßiggänger erst zu Dutzenden, dann zu Hunderten und Tausen-den auf dem Greveplatz, die Menge schrie über Wucher, brüllte