Buch 
Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
Entstehung
JPEG-Download
 

Xlk. Leculmn. IV. Lip. Vött Ketzereyen und Trennungen.

rrs^

Die Papisten halten ihn vor einen LNnnichäer vonder Art dcrcrjcnigen, so zu Oriesns verbrannt worden, y)Gleichwie sie aber mit ihrem Beweise nicht zurechtekommen können : also nimmt man vielmehr die »Nach.richte» Ll.Vl8II^LM8>8 r) von folgenden

Lehr-Sätzen an: daß er nemlict) die T^indrr-Tauf-fe vor unnütze gehalten/ den Zxirchen-Dienst ver-achter / die Creuye vielmehr abzubrechen als an-zuborgen befohlen, das Meß-Dbßer verworften,rrnd das Verdienst der Allmostn, ingleichen dieRraftr der Gebethe vor die Todren geleugnet;welchem andere noch beyfügen / daß er im Heil.Abendmahle die wahrhastre Gegenwart des Lei-bes Christi nicht zugegeben. » )

Allein, wenn man die Sache nur ein wenig beydemLichte besehen will, so wird man leicht auf die Gedan.eken kommen, daß er seine Sätze sonder Zweifel gantzanders vorgetragen. Er wird nemlich den äußerlichen,Cercmonialischen GotteS-Dicnst, darinnen jedermannselbiger Zeit die Seeligkeit suchte, in sofern vernichtethaben, daß er gesagt, es wäre bester Kirchen und Al-täre abzubrechen, und sonst überall GOtt zudienen,als sich so eiteler Weise auf solche Gebäude, ohne wah.ren innern Gottcs-Dienst, zuvcrlasten. Ferner mager wieder die Irsnrsükllsmj-nion geeifert haben. Mit

Mit diesem ward er zuletzt in allerhand Strcitigkei-tcn verwickelt, weil er ihm seine scharffstiinige Eiu«würffe nicht allemahl beantworten tonte.

Die sonderbare Geschicklichkeit ?LIKI und der Neidseines ?rseceprori5 machten ihn in kurtzem sö bekannt,daß er selbst anfieng zu lehren. Doch seine freye Lehr-Art trieb ihn bald von bannen; daher er sich eine Zeit-lang an andern Orten und sonderlich zu b-on bey»kl.no aufhielt. Bey diesem letztem studirete er1»eo-Ivtziam, und fieng sechsten an über die Bibel zu lesen,welches ihm aber von L»5uxi.no verbothen ward-

Er gieng demnach wieder nach Paris, allwo ihn«ein Lsnonicuz, Nahmens Lulberk, seine Muhme UL-xoizszn oder nvOOvlczn zu unterweisen antrug, undihm davor in seinem Hause Unterhaltung anbot. Al-lein diese Information liess so übel ab, daß uxxoirzzwieder alles Vermuthen einen jungen Sohn zurWeltbrachte, welchen er xxi'kvn zr-rxoi.z8ivn nmnete, undbeydes Mutter und Kind durch die folgende ehelicheVerbindung rechtfertigte.

Nicht lange hernach schickte seine Frau in

das Kloster zu ^rgcmeuü, welches aber ihre Verwand-ten so übel aufnahmen, daß sie einige Männer desNachts in seine Cammer schickten und ihn calirirenliessen, worüber er aus Verdruß den Mönchs-Orde«

den andern Sätzen, ausser was den Punct der Tauffesim Kloster 8. Dem; annahm,betrifft, hat es ohnedem seine Nichtigkeit, daß er dar- Die^öffentliche bläm-, so er sich durch seine biShcri

innen zwar wieder die damahlige Römische Kirche,aber nicht gegen Gottes Wort geredet, b)

Inzwischen entstand, wie leicht zucrachren, eingros-ftr Lermen darüber, und man sagt, er habe nebst seinenNachgängern wiedcrgctauffet, die Altare zerbrochen,die Creutze verbrannt, und in der Fasten bey solchemFeuer Fleisch gckochct, und die Pfaffen ausgespottet;welches alles, so es anders wahr ist, nothwendig einegrosse Verbitterung gegen ihn erwecken muste, daßman ihn nicht nur auf dem Loncilio zu louIoufeAnuo 1119. und auf dem Loncilio im Lateran Ao. IIZ9als einen Ketzer verdammte, sondern auch endlich An-no 1147. zu 8. Lilie; an der Rhone lebendig verbrann-te. c) Wiewohl seine Lehre damit nicht getilget, son-dern noch viel weiter ausgebreitet ward»

IV.

Wce Wal.' ?errus ?

Er führete auch den Zunahmen?zl.z-r,»vz, weil erauf einem Dorffe, Nahmens ?slsiz sdcr?zlLkium bcyKsnce; in kretsgnc gebohren worden. Sein Vaterwar ein Edelmann, und ließ ihr» treulich zu' den 8m-6iis anführen, worinncn auch ?LHV8 eine sonderba-re Geschickligkeit zeigte.

ZuPariShöreteerin bbilofopkicis czx,

pxl.i.x»5x^>welcher selbigcrZcit^i-cb,ciiLcoiiu5 daselbstenwar, und endlich das Bißkhum zu Lbalon, erlangete.

in liillor. Varirr. kcclef. ?ror-k»nr. I'o-rt. 9.420. feq. r) krsÄ. a-iuerf. ?erro-

7) k 088 Vf- 1 -.wi 2. P-ß. 60. feqdruliLnnz. s) k>ä?IKIV8 ^?. 880 dl. -nnz>. br-»c. lib. z.piß. 267. l>) Le>KO>!IV8 »6 L. 1126 cunf. ?/^6ILrir. in ,nn,I sä »». iizz. n. 10. r) L^ 8 dl^-

6L bilior, äe I' ezljf, p. 1400. trgg.

ge Aufführung gemacht hatte, hinderte indessen nicht,daß ihm nicht viel Studenten nachließen, und vonseiner Gelehrsamkeit proiüiren wollen. Weil er aberseines freyen rsilonirens wegen, und, daß er behaupte-te, der Oion^iiu; zu?gri5 sey nicht derOion^iiur/treo-.psgira, dem Abte und den Mönchen verhaffet ward,,muste er den Ort wieder verändern, und richtete indem Gebiethe des Grafen von Lbampagne eine Schu-le an , zu welcher eine grosse Menge der Studierendenzusammen flösse.

Der Neid und die Verfolgungen aber blieben nichtaussen, zumahl, da er sein freyes r^ifoniren nicht las-sen konte, wie es denn auch vielen zuwiedrr war, daßer die Capelle, so er auf einem darzu gcschenckten Pla-tze nebst einigen Mönchs-Cellen erbauet hatte, demHeil. Gerste wiedmcte, und sonst ihn: wegen Ketzeri-scher Lehren aus seinem Buche von der Theologie vielWiedcrwartigkeit gemacht wurde, wie bald umständ-licher wird angezeiget werden.

Endlich beruffte man ihn in seinem Vaterland« zumAbte bey dem Kloster 8. LidiM, woselbst er sich daswüste Leben der Mönche abzustellen bemühete, aberendlich seines Lebens nicht mehr sicher war, indem dieboßhaffken Mönch« Meuchelmörder auf ihn bestellc-tcn, und ihm Gisst in disSpeisen, ja gar in dcnKelchmischeten; wiewohl er solchen Nachstellungen durchein besonderes Schicksal allemahl glücklich cntgieng.

Hierauf verließ er seine Abtey, und hat sich forthinan keinem Orte beständig aufgehalten, bis er zuletztim Kloster Llugny unter dem Abte rxr«o vx»LLz-xu.rruhig gelebet, und endlich im Klsstcr 8. rck-rcM beyLb-ckonz Verstorben. 6) Die

ä) in biüor. QH^O