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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
Entstehung
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XIII. 8eculum. VII. Op. Von den Neben-Sachen.

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ZUM andern etliche Fabeln und Pfaffen--Ge-dickte /als

i. Die Reife desHäußleins, wormnen dre Jung-frau Maria zu Nazarcth gewöhnet. Nemlich/ alsAnno die Christen nach der Eroberung I'roie

Mai; völlig aus dem gelobten Lande vertrieben worden/so Hoben die Engel gedachtes Häußlein zu Nazarcthauf/ und trugen es durch die Lufft bis in Dalmaticnan einen gewissen Ort, der nicht weit vom Meers gcle>gen war, allwo sie in der Nacht niedersetzten, und«singe Jahre ruhetcn / bis sie weiter brachten.

Die Leute des Ortes, welche daß Häußlein der Ge-gend nie gesehen hatten / wüsten nicht, was sie darausmachen solten t allein die Heil. Jungfrau hatte dem-asigen Priester im Traume schon von allen^ Nach-richt gegeben, welcher daher nach dem Schlösse hinzueilete, und die Sache dem Landeö-Hauptmanne, Gra-fen von kLauEE entdeckete. Dieser schickte denPriester nebst vier andern glaubwürdigen Männernnach dem Orient, und da befand sicbs, daß dasHäuß-lein zu Nazarcth in eben selbiger Nacht, als den ü.Mäy, weggekommen wäre.

Nachdem aber diß der Ort nicht war, da dieses Hei-ligthum stehen solte, so fasteten es die Engel Ao. 1294-ren io. Decembris wiederum auf ihre Schultern, undtrugen bis nach Italien in einen Busch nicht weitvon I-orerro, wo es sich jetzt befindet, und die lieblicheMufic der Engel machte den Leuten sogleich bekannt,was vor ein treffliches Kleinod sie überbracht Hätten.Es veränderte indessen diß Häußchen selbiges Jahrnoch zweymahl seine Stelle, und blieb »letztens aufdem Wege bey dem Acker einer frommen Matrone, soksurers hieß, stehen, allwo auch noch Heutiges Ta-ges in der davon benenneten Stadt von unzählichenMenschen besuchet, und mit unendlichen Reichthü-mern beschenckct- wird. c)

Gleichwie aber diese Zeiten überhaupt gar fruchtbaran dergleichen Gedichten waren : also ist auch mcrck-würdig, daß sich diese wunderbare Begebenheit ebenzur Zeit des listigen Pabstes Loxir^cn vm. zugetragen,welcher durch seine verschmitzte Englische Erscheinun-gen cvxresnuvn v. vom Pabst-Stuhle bringen konte.Es ist dahero nichts anders, als eine schöne Erfindung,den Ablaß, den man biöhero in dem Gelobten Landegestrchek hatte, nach Italien zu verlegen, und dadurchdem Päbstlichen Stule desto mehr Vortheil zu zu-wenden; wie man denn, solchen Zweck um soviel des-,fer zu erhalten, noch andere Hci'ligthümer daselbstcn^zeiget, als die Statue der Jungfrau Marien ausCe-dern-Holtz, welche der Evangelist Lncas verfertiget,^e» von denen Aposteln selbst gebaneten Altar, aufwelchem Petrus die erste Messe gelesen, und was desalbern Zeuges mehr daselbstei, anzutreffen, ä)

8 z>, 5 bur^ war ein gottloftrAdvocat gestorben,in dessen Cörper der Teufel gefahren, und alle NachtHerum g ieng, also, daß drey Monat lang weder Mcn-

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scheu noch Vieh, so ihm begegneten, des Lebens sicherwaren. Endlich gab ein junger Kerl des Nachts beymMonden-Scheine vom Kirch-Thurme auf ihn Achtung,sahe ihn aus dem Grabe steigen, den Sterbe-Kittelablegen , und nachmahls unter den Hunden tumultm-ren, davon er einen nach dem andern zcrrreß, und fol-gends wüthend durch die Stadt wanderte.

Unterdessen stieg der Kerl vom Thurme, und nahmihm denKietcl weg, auf dem Thurme erwartende, wasnun ferner daraus werden möchte. Als der Cörper beyder Rückkehr sein Kleid nicht fand, spürete er wie dieHunde, wo es muste hingekommen seyn, und fängtan den Thurn hinauf zu klettern. Der Kerl aber re-tiriret sich in die Kirche, legt den Kittel auf den Altar,und setzt stch darauf, nimmt auch ein Crucifix zur Hand,welches er dem Cörper, der ihn bis dahin verfolgethatte, so offt er nach den Kittel grieff, vorhielt, bis desMorgens der Küster in die Kirche kam, da der Cöp,per in einander fiel, und einen gräulichen Gestanck Hin-ter sich ließ. Nachdem nun folgends das Gerippe aufdem Schind-Anger verbrannt worden, so. war diePlage gehoben, e)

Mit dergleichen Mährlein kan man junge Leute vomSchlaffe abhalten. Sonst solten sie die Krafft desCrucifixes und des gcwcyhetcn Altars bestätigen.

z. Dem Pabst innocbaic, m. kam im Traume vor,als wolte die Kirche im Lateran einfallen : allein derHeil. vomillicu; stcmmete sich mit den Achseln dage-gen , und erhielt sie. I) So starck war dieser Heili-ger, und ist auf gewisse Weise wahr, daß die OrdenOomimci und krancitci das wanckende Pabfitßum er-halten haben, wie die Historie bezeuget.

4. Eine alte Nonne in Syrien bat einen von Cön-stantinopel nach Jerusalem wallfahrten gehendenMönch, ihr aus der heiligen Stadt ein gemahltesVildniß mit zu bringen, welches sie in ihre Beth-Cammer setzen könte: der Mönch aber vergaß-cs, undward auf dem Rückwege durch eine himmlische Stim-me daran erinnert, welche ihn also nöthigte wiederumzuwenden, und ein Marien-Bild zu Haussen.

Da er nun mit dem Bilde fort reisele, begegnete ihmein grimmiger Löwe, welcher stch aber vor ihm dcmü-thigte, und seine Füsse leckete. kamen Mörderund wölken ihn angreiften : allein eine himmlische.Stimme crschröckte sie.

Der Mönch, welcher glaubte, daß diese Wundervon dem Bilde herrühreten, nahm sich vor, dasVildnicht zu der Nonnen zu bringen, sondern vor sich .;»behalten, und gieng damit zu Schiffe. Doch es er-regte sich ein gewaltiger Sturm, welcher nicht anders,als durch die Aufhebung des Bildes in die Höhe ge-stillet werden ko> te: das Sehiffabcr kam wieder anden Ort, da eS abgegangen.

Diß nöthigte den Mönch, das Bild der Nonnen-zuzustellen , allwo es anflenz ein heilsames Ocl auszu-schwitz?!,, womit die Krauchen cuciret wurde.-?. Ja,das Bild bekam gar Brüste von Fleisch, aus welchendas wunderbare Ocl rröpsselte; jedermann schätzte sichDdd ddd dd z glück«

-) LkkOkoikdlLIS c.92. 5 ) LL0VIV8 ,ä ,ri. iriz.