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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
Entstehung
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Z64

H. Fortsetzung von 17^6. bis 1740.

TPa'iyNahmenS,eineunglaublicheStandhaftigkeitan den Lag legte; so gar daß auch ein unbarmherzi-ger Mandarin soll gesagt haben: Die Christenmüssen die Kunst wissen, stch das (.tzesühl zubenehmen, weitn sie Schläge bekämen. End-lich fanden die Mißionarii Gelegenheit diese Ver-folgungen, wo nicht gänzlich abzuwenden, doch eineZeitlang aufzuhalten. Man hatte ziemlichen Grundzu glauben, daß der Kayser Ri.'n'ong, der ohn al-le Kentniß der RegierungS-Angelegenheiten erzo-gen und noch jung war, an allen diesen Verfolgun»gen keinen Antheil habe, oder wenigstens auf ande-re Gedanken gerathen werde, so bald man ihm diewahre Beschaffenheit der Sachen vorzustellen, ton-te Gelegenheit haben. Der Kayser ließ den IrakerCastiglione in seinem Zimmer mahlen, und pflegtedenselben oft in Person zu sehen. Diesem gabendie Mißionarien ein neues Memorial an den Kay-ser, und legten demselben das Edict seines GroßVaters bey, 6) in welchem den Christen ehedem diefreye Ausübung ihrer Religion war zugestandenworden. Er brachte dasselbe auch bey dem Kayserso glücklich an, daß dieser sogleich erklärte: Er ha-be die christliche Religion nicht verdammet,sondern nur die Annchmnng der ChristlichenReligion denen verbieten lassen, die u irer denFahnen wären. Unterdessen hatte das Tribunallie; Lenlenr; allbereit den l2. May eine Verord»nung drucken lassen, nach welcher jedermann, derunter den Soldaten oder dem Volk überzeuget wür-de, daß er die christliche Religion angenommen, inVerhaft genommen und zu der schärfsten Straffe ge-zogen werden solte. Dieses solte öffentlich an dieStadtthore geschlagen werden. Die Mißionaricnerfuhren das, und wurden zu ihrem grossen Glückgleich den folgenden Tag zu einem vornehmen Herrndes Hofes berufen, der statt einer Antwort auf ihrMemorial ihnen den Willen des KayserS dahin zuerkennen gab: Er werde ihr Memorial nicht inLrwezmrg zieh.n laschn, weil er ihnen ia ihreReligion erlaubet, und nur denen zu den Fah-nen gehörigen Leuten, die Annchmnng der-selben verboten härce. Mehr kontcn die HerrenPatres durch alle ihre Vorstellungen aus dem vor-nehmen Herrn nicht bringen, vielwenigcr ihn dahinbewegen, daß er den bisherigen Drangsalen derChristen abzuhelffen gewiß versprochen hätte. Dochempfanden sie einige Würkunz ihres Memorialsundder gehabten Unterredung. Die Verfolgung diezwey Monat gedauret hatte, hörte auf: Das scharf,fe Verbot ward nicht, wie sonst gewöhnlich, in die'öffentlichen Zeitungen gesetzt, c) und dadurch ver-

6) l-errr« liäiÜLnre? XXIll kec. p. 84.

e) t-ercre; liäiüaiire; Kec. XXIll. >Unr I'k.ssirrep. n.,

hindert, daß die Verfolgung sich nicht durch dasganze Reich erstreckte. Der Kayser gab bey ver-schiedenen Gelegenheiten den Mißionarien sonderbare - !1 Proben seiner Gewogenheit. Al- die Patres sich- an dessen Geburtstage, der Gewohnheit nach in den

> Pallast begaben, wurden sie vor andern gnädig' angesehen, und von des KayserS Tafel mit unter-schiedlichen Gerichten gespeiset. Ia der Kayser

> schenkte so gar zu dem Bcgräbniß des P. JosephSvarez eines 87. jährigen Mißionarii, als er des-sen Tod erfahren hatte, eine ansehnliche Summe,und die Grossen bey Hofe folgten seinem Erempel,und thaten dem Verstorbenen noch allerley Ehrean.

So stunden die Sachen bis in das Jahr 17z?.daß die Christen sich zwar geduldet, aber weil diescharfen Verbote noch nicht geändert waren, in be- 1ständige Gefahr grsetzet sahen, heute oder morgen,wenn es den Mandarinen gcsiele, ein Schlacht-opfer ihrer Feinde zu werden. Endlich traf es ein,was sie lange befürchtet hakten, daß die erste Gele-genheit den Christen zu schaden die beste seyn würde.

Es entstund in Pecking eine neue Verfolgung. Es 'werden in dieser grosien und weitläufigen Stadtsehr viel kleine Kinder ausgesetzt, welche zwar durchöffentliche Veranstaltungen aufgehoben und in dieHospitäler gesammlet werden, aber meistens vorElend sterben. Die Jesuiten kragen unterdessen sogrosse Sorge vor derselben Wohlfahrt, daß sie die«selben zur Taufe zu befördern, und jährlich gegenzwey tausend derselben also zu jungen Christen zumachen pflegen, k) Ein jeder von den Jesuiten derdrey Kirchen, so sie zu p cküig haben, hatte der,gleichen Hospitäler zu besorgen, und hielt gewisse Ca-techetcn, welche dergleichen Taufen verrichten musten.

Als nun ein solcher Catechet der Portugiesischen Pa-trum Lreoueul mit dieser Verrichtung einst beschäf«tiget war, wurde er in dem Hospital in Verhaft ge»nommen, und vor das Tribunal des Gouverneursgeführet. Der Gouverneur fand nach vielen Unter-suchungen und Fragen, nichts strafwürdiges an ihm,als daß er ein Christe war.. Weil er sich nun desschon 172z.ergangencn und vor dem Jahr erneuer-ten obgedachten Verbots erinnerte, daß niemand diechristliche Religion annehmen solte, so schickte er denGefangenen mit seinen Ankläger vor das Criminal,gericht. Der Präsident desselben war ein Mann,der sich herzlich freuele, eine Gelegenheit wider dieChristen zu haben. Dieser lies den armen Lieoueul,zwcymal auf die Foltcr bringen, um das Bekänlmßvon »hm hcrauszupressen, daß die Europäer die Chine-!ser mit Geld zu ihrer Religion lockten und anwär-

ben..

t) l.enrer Kecueil XXV. z,. »zs.