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M. Fortsetzung von 1741. bis 1745.
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ab. Anietzo findet man deren nur einige wenige inNorden um Archangel herum. In den andernProvinzen des Reichs ist nichts davon, als nur derNahme übrig geblieben.
Ihr Aicchcnreglment siehet noch, wie es vor-mals beschrieben worden. Die höchste Aufsicht übergeistliche Dinge steht bey dem geistlichen Synodo,der aus verschiedenen Mitgliedern besteht. DasGewicht in diesem Uhrwerk bleibt seit Peter desGrossen Zeiten, allemal die kayserliche Hoheit undMacht. Der Kayserliche Hof darf sich vor demAnsehn der Geistlichen nicht mehr fürchten. Was demjetzigen Erzbischof Ambrosius, von Novogred beydem Antritt der Regierung der jetzigen Kayscrin be-gegnet, ist droben da gewesen. Als der FranzösischeMarquis von Cherardis am kayscrlichcu Hofe ver-schiedene Intriguen gespielet, und einige Geistliche,worunter auch zwey Vischöffe waren, mit ins Spielgezogen hatte, so tonte diese die geistliche Würdenicht schützen. Sie bekamen die Knute, so gut,als die übrigen Mitgenossen, und wurden nachSi-bericn geschickt, c)
Nach der neuesten Beschreibung ist die Ordnungder Geistlichen so. Metropoliten sind Erzbischof-fe. Archiers (welche andere sonst, durch Erzbi-schösse übersetzen) sind nichts anders, als Bischöffe.Archr'iriairdrireii sind Aebte in Mönchs-Klöstern.JINmenensiud AebtißinneninNouncn-Klöstern.ä)Proropopen sind eigentlich keine Pröbste, sonderndie ältesten Priester bey den Kirchen in den Städ-ten. Bey einer jeden Gemeine in den Städten, obgleich solche aus nicht viel über hundert Familienbestehet, pflegen dennoch wohl fünf bis acht Popenzu seyn, das ist Geistliche, sowohl Priester, alsDiaconi und EantoreS. Es sind gemeiniglich hoheund ansehnliche Leute, und weil man dieselben sozahlreich unterhält, so muthmasscn einige gar, manwolle sich derselben in Kriegszciten und im Noth-fall zu einer Armee bedienen, um die Religion zuvertheidigen. Doch vielleicht hat man nur imScherz also gedacht. So viel soll gewiß seyn, daßdie einzige Stadt Moscau so viel geistliche Personen,oder noch mehr, als das ganze Königreich Schwc,den habe. Die Geistlichen werden in Sradr-und Dorfgeistliche abgetheilet, zu jenen werdenauch die Archidiaconi, Diaconi und Cautores ge-rechnet, welche letztere bey den Russen in Ansehensind, da sie viel von der Vocalmusic halten. DieInstrumentalmusic in den Kirchen aber verdammensie. Die Gemeinen sind alle nur klein ; denn jedesDorf hat Kirche und Priester. In den Städten
ist in einer jeden, selten aber in zwey Gassen eineKirche mit allen ihren Bedienten. Diese Priestersind freylich in Ansehung ihrer Geschicklichkeit undTreue nicht mir den Predigern in unsern Evangeli-schen Landen zu vergleichen. Doch hat man auchoft allzuschlechte Gedanken von denselben. Mantrift unter ihnen auch geschickte, goktesfürchtige, ge-lehrte, alle und erfahrne Männer an. Die Ursa-che vieler ihrer Uittüchrigkeit und Untreue, rühretvon ihren so geringen Einkünften her. perer l.gedachte diesem Mangel abzuhelfen, aber er führctees nicht aus. Da derselben auch eine so grosse An-zahl sind, so darf man sich nicht wundern, daß manunter einer solchen Menge auch schlechte Leute an-.trift, die wegen ihrer Untüchrigkeir, und ärgerlichenLcbenSartö ihrem Orden wenig Ehre bringen.
Es wird uns auch ein Bischofs» lrxsinen erzehlet.Der examinirende Bischof setzte sich nach etlichenEeremonicn in einen grossen Lehnstuhl. Der Ean-didaten begleiteten zwey erbare Männer von der va-canten Gemeine, die seine gute Aufführung bezeu-geten, und angaben, wie die ganze Gemeine nach sei-ner Vocation verlange. Der Bischof lies ihn dar-auf in einigen Rußischcn, Sclavonischen, und an-dern Büchern lesen. Darauf ward er mir wenigWorten <le Symbolik und aus dem füre Lanonicobefragt. Denn ninste er sein Bekenntniß und Ge-lübde ablegen. Zuletzt soltc er feine Stimme hörenlassen, eine Messe singen, u. a. m. Seine Stimmewar so bebend, daß auch etliche nicht weit davon ste-henden Thee-Tassen davon ansingen zu tantzen. DerBeschluß geschahe mit einem kurtzen Erbet, undGratulation, e)
Zu den geistlichen Personen gehören noch Ein-siedler, Mönche, Nonnen, und Schulmeister.Der Einsiedler giebt es noch viel, und man tnsssie auf den Insuln des Donnflusses in dem aller-armseligsten Leben an. Sonst hatten die Möncheund pfonnen im Lande ein schlechtes Gerücht. 5)Allein setz» hört man bessere Dinge von ihnen. DieOrdenslente sind gemeiniglich von einer ausschweif-fenden Einbildung, nach welcher sie alles mystischerklären. Sie sind qrossenthcils dabey einfältig,ungelehrt, ja wohl auch bisweilen lasterhaft. Diemeisten befleißigen sich der Scheintugend, g) Peterder Grosse wolle sich weder mit den zu qottseeligcnAnstalten gewidmeten Einkünften bereichern, nochsolche mißbrauchen lassen. Er beraubte die Klösterkeinesweges. Er suchte die gute Absichten derStifter vielmehr zu befördern, und verordnete, daß
keiner
e) Haven l.c. ^.44».
f) Havm I. c. p. 4?". leg.
x) tzaven I. c. p. r- a. z;r-
c) Neue Europäische Fama DX. x.6zo.ä) HavtNS Ruft P. 4 ZZ- 4ZZ-