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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
Entstehung
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I. Cap. von den Röm. Cathol. Lehrern.

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rufen, und als das Kayserliche Schreiben erwogen,und nach Verlangen befunden worden, geschahe so-gleich die Einladung zum geheimen Eonsistorio aufden Mittwoch, oder den folgenden 17. December..Bey dieser Versammlung hielt Venedictus XlV.eine wohlgesctzte Rede, '.und. lies das KayserlicheSchreiben ablesen. Den 25. December daraufward in der Kayserlichen Kirche stell' Anüna dasTe Deum in Beyseyn vieler Cardinäle, Prälatenund AmbassadeurS abgesungen. Wie der Pabstsichkünftig gegen den neuen Kayser erzeigen dürfte, wirddie Zeit lehren.

Frankreich hat mit politischen Handeln in an-dern Reichen alle Hände voll zu thun gehabt, undsich bisher mit Religionösachen eben nicht beschäfti-get, oder mit Ihro Heiligkeit über Kirchenangele-genheiten tractiret. Wann auch ja etwas in Frank-reich zuweilen geschicht, so sich nicht wohl mit denGrundsätzen des heil. Stuls reimen läst, so ist mandas schon in Rom gewohnt, daß der Franzose sichin den Kirchengehorsam nicht so gut, als ein Por-tugiese oder Spanier, sinden kan, und fängt des-wegen nicht so gleich Krieg an. Allein Spaiu'endas sonst so gehorsame Spanien, hat seit dem esFranzösisches Geblüt beherrschet, Pabst BenedicroXlV. wie seinem Vorgänger, manche schlaflose Nachtgemacht. Benevictus XlV. muste dieser Cronegleich anfangs den Zehenden von allen geistlichenGütern durch das ganze Königreich bewilligen, un-ter dem Verwand, das Geld sey zur Fortsetzungdes Kriegs mit Engclland bestimmt, b) Die anden König ergangcne gut gemcynte Brevc vonRsm, um jenen zu bewegen, von fernern feindse-ligen Unternehmungen wider die Königin von Un-garn und derselben Staaten abzustehen, waren vonschlechter Würkmig. Die Spanischen und Neapolita-Nischen Völker haben das Erbe Petri bey ihren Hin-und Her - Märschen nicht viel geschonet, und endlichauch die Oesterreicher und derselben Alliirtcn,welche ih-ren Feind aufsuchen musten, wo sie ihn fanden, mitzu Gaste gebracht. Man hat deswegen oft Anlaßgebabt, EongrcgationeS über Congregationeö zuhal-ten, Couriers abzusenden, und die Generals vonbeyden Armeen auf alle ersinnliche Weise zu ca-reßiren. c) Man war einmal so höflich, bot denSpanischen Truppen die päbstlichen Galeeren - zuEivitavechia an, um sie zu transportiern; allein esgefiel ihnic im Kirchenstaat besser. Sie lebten da,als wenn sie zu Hause, oder gar in feindlichen Lan-den wären. Sie eroberten Städte, machten Ver-

Leben und Thaten des jetzt regierenden Pabsis undder Cardinäle p. -4,

c) Neue Fama 1 p. Vll. x. roi. 1 *. VIII. p. ZZI. 9)6.

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schanzungen, legten feste Oerker an, und sagten dieEinwohner von bannen. Diese Wirthschaft trie-ben sie so lange an, bis sie erst vor nicht langer Zeit dieNoth und Gewalt der Feinde aus den ausgesegeltenLanden vertrieb. Insonderheit hat der Spanische Ge-neral (Zages durch viel harte Proceduren seinenNahmen in jener Gegend verewiget. Bey demallen «hatte sich der päbstliche Hof bey den Oester-reichern in den Verdacht der Parteylichkeit mitden Spaniern gcsctzct, so daß sich jene gleichfalls fürberechtiget hielten, manche harte Anforderung inden päbstlichen Gebiet zu machen. Eine Esiadrevon Englischen Fregatten, die sich immer mit zuauf dem Adriatischen Meer einfand, und alle Schiffeverhinderte, etwas von Lebensrnitteln in dasige aus-gehungerte Provinzen zu bringen, vermehrte dasUnglück noch mehr. ci) . Man hat daher hohe Ur-sache gehabt, zu Rom auf neue Mittel zu denken,um den Krieg in der Christenheit bald gecndiget zusehen, deswegen man auch seine Zuflucht zu,aller-hand sonderbaren Andachten, Proccßionen, undJubelfesten genommen. Die besondern Drangsale,welche die päbstlichen Unterthanen hierbcy ausge-standen, hier alle zu erzehlen, leidet unsere Absichtkcinesweges.

Gegen die deutschen Churfürst«: hat Bcne-dicrus XIV. nicht gleiche Güte bewiesen. DemChurfürsten zu Cöllir wurde erlaubt, von den Kir-chengürern zweymalhunderttausend Thaler zu heben,um dadurch die verfallene Vcstungswerke zu Kay-serSwerth und zu Rhcinbergcn wieder herzustellen, e)Mein Chur-Pfalz war in eben dergleichen Ansuchennicht glücklich. Es suchte A. 1741. wegen Erhe-bung des Zehenden von der Geistlichkeit an, und manglaubte, deswegen zu Rom um so viel weniger Schwie-rigkeiten vorzufinden, da es der päbstliche Stul gegendie heutigen Churfürsten von der Pfalz schon zu mch-rernmalcn vor rathsam, oder gar der jBilligkcit gcmäsgehalten, daß weil diese Churfürsten aus dem HauseNeuburg, als der Römischen-Religion zugethan, sichdes suris circa lacra nicht anmassen dürsten, welchesdoch die protestantischen Churfürsten vor ihnen be-sessen, man jene zu einiger Ersetzung dieses Ver-lusts, durch eine dergleichen Bewilligung bey gutemMuth zu erhalten- suchen müsse, 5 ) Allein manfand die Sache jetzt wieder Vermuthen anders, undder Pabst schlug es ab. Die Freude, welche man sicham päbstlichen Hofe, mit dem Anfang des i74-j.sienJahres über die Abreise des jungen Prätendenten,und dessen zukünftige Beherrschung von Großbrit-Gggg z tanni-

ä) Neue Fama 71 IX. xi. 704. 926.

e> Leben und Thaten l es jetzt regierenden pabsts pS4.

G Neue ^ama 11 Vll. Z-.