HI. Fortsetzung von 1741. bis 1745.
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der Ausgang gewiesen, daß die gan^ väterliche Zu-neigung des Pabsts mehr in einer sonderbaren Hoch-achtung vor gedachter Königin Person, als in einerwirklichen Theilnehmung an dem Interesse desWienerischen Hofes bestehe. Denn als man umjene einiger Massen auf die Probe zu setzen, vonWien aus eine kleine Bcyhülffe von etlichen hun-derttausend Thalern verlangte, wurde solches zuRom abgeschlagen; doch hatte der Mangel vielleichteben so viel Theil an der abschläglichen Antwort, alsan der Bitte selber gehabt; und man erwies sich ge-gen den Böhmischen Heiligen, Johann Ncponmc,auf welchen das Haus Oesterreich ein sonderbaresVertrauen setzet, desto freygebiger, wie wir weiterunten hören werden. slnterdejsen lies er sich sehrangelegen seyn, die Unruhen, die nach AbsterbenKayser Carls VI. über dessen Erbschaft entstanden,durch seine Vermittelung zu dampfen, und die prag-matische Sanction durch gütiges Zureden zu unter-stützen. Allein die nachdrücklichsten Brevc, die erdeShalbcn an die vornehmste Römischcatholische Hö-fe, und an den Französischen insonderheit, ergehenlies, waren fruchtlos, g) und die Folge hat gewicscn, wie der heilige Vater selber dabey ins Gedrän-ge gekommen. Die geistlichen Waffen, und öffent-liche deöfalls angestellte Andachten, Jubelfesteu. d.m. haben den Sachen auch keine bessere Gestaltgeben wollen, r) Etwas sauer mustc man zu Romaussehen, als die Königin von Ungarn A. 1741-von den beyden Herzogthümern Parma und Pla-zcns die Erbhuldigung einnehmen lies, und derPabst, der es vor einen Eingrif in die Rechte desApostolischen Stuls bekantcr mästen arischen muste,konte sich nicht entbrechen, desfalls seine Klagen vordem CardiualS- Eollcgio in einer beweglichen Redeauszuschütten, und sich durch eine nachdrücklicheProtestation zu verwahren- r) Es hat auch in denfolgenden Jahren nicht an Gelegenheit zum Miß-Verständniß mit dem Hofe zu Wien gcfehlet.
Mehr Freude richtete hochgedachtcr Königin Ge-mahl, der damalige Grosherzog von Toscana beyIhr. Pabsil. Heiligkeit an, als er die in Besitz ge-nommene pabsiliche Lehen EarpeIiia und Scavo-lins ihrem vorigen Eigenthums Herren wieder zu-rücke gab, von welchen Streitigkeiten man sich an-derwärts MUS belehren lasten, r)
Bey der nach Absterben Carl VI. erfolgter Kan-scr-Wahl konte der Pabst nicht müßig seyn. Erschickte den Erzbischof von Ehalccdon Georg Doriadeshalben, als außerordentlichen Nuntium nach
g) Leben und Thaten des lebt regierenden Pabsts p. r,.
r) Neue curop-Fama IV Vu. 9. ,00,. I.X. 9.569.
r) Leben und Thaten des jetzt regier.nden Pabsts 9.
t) Neue Fama 1 - IV. x. 49. IV VII. 9. 60.
Frankfurt ab; und ob er gleich dem Hause Oester-reich die kayscrlichc Würde gern gegönnct hakte,so lies er sichs doch so wohl gefallen, als sie demHause Bayern zu Theil ward, daß er Larln VII.gleich nach vollzogener Wahl als rechtmäßig erwehl-tcn Kayser erkannte. Die Königin von Ungarnempfand dieses zwar so hoch, daß sie A. 1742. den24. Febr. den Graf von Thun deswegen ein nach-drückliches Memorial zu Rom überreichen lies:allein Bencdictus XIV. kehrte sich so wenig an dieseVorstellungen, daß er vielmehr ein paar Tage her-nach dem Eardinals-Eolleqio die crqangenc. Wahlin einer fcyerlichen und mit vielen Lobsprüchcn desneuen Kaysers angefüllten Rede selber kund mach-te. u) Ex- beantwortete das von Ihro Kays.Majestät empfangene Netificationsschrciben miteiner freudigen Gratulation, und da die RömischeKirche bey dessen Wahlcapitulatien nicht wenighierdurch gewonnen, daß der vierte Arricul desRyswickischen Friedens nicht wicderrufcn worden,wie es die Evangelischen verlangt, so nahm diesesder Pabst, als die erste Probe der grossen Hefnungan, so er von dem neuen Kayser zu haben bezeugte,daß er die Römischcatholische Religion aufrecht er-halten, und ausbreiten, der Ketzerei) aber gewissenEinhalt thun würde x) Die Bull?, in welcher derPabst dem Kayser die primaria, yrccez vcrwilliget,ward auch verlesen, und von den Cardinälen un-terzeichnet. >)
Nach erfolgten Ableben Carls VII. und erfolgterWahl Francisci I. A. >745. erwies sich der päb>I-liche Hof nicht so willfährig. Die NotißcationS-schreiben liefen von Wien zeitlich genug ein. DerMarquis de prie mustc die Wahl zu Rom so-leuniter melden. Allein Benedreruo XIV. hatteallerhand Bedenklichkeiten dabey, und es schweb-ten zwischen beyden Höfen einige Mißhelligkcitenob, welche die Zeit erst künftig entdecken muß.Das Volk zu Rom trat unterdessen an des heil.Vaters Stelle, und bezeugte seine Freude öffent-lich. r) Die Schwierigkeiten wurden gehoben. ->)Der Kayserliche Abgesandte überreichte am 12.December gedachten Jahres anderweitige Notifica-lionSschreiben von Wien, deren Inhalt in etwasnach dem Begehren des Römischen Hofes geändertwar, der Pabst lies gleich des folgenden Morgensd»e geheime Cengregation von 4. Cardinälen vor sich
rufen,
u) Leben und Tbaten des jetzt regierenden Pabfis 9.
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x) Iligoric" l^ccles- V. 9.
v) Neue Fama I' VIII. ;;r.
r) Neue Fama 'IV XI. 9. 5 "c-
s) Ilulorico-^ee-«.-!. I - X. 9. lA leg.