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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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I. Cap. von den Röm. Cathol. Lehrern.

Religion, das nöthigste von Wissenschaften undSprachen, und die ersten Regeln der Regierungs-kunst gleichsam spielend bey. Man bot thm daherA.i72l. zur Belohnung das ErtzbiSthum Rheimsan; allein er ivolte lieber bey Hofe bleiben, schlug dasM, nahm mit der Abtey von St. Stephan zu LaeirMlieb, und blieb noch ferner königlicher Präceptoc.

Als A. 1722. der alteVilleroy von dem HerzogRegenten plötzlich von« Hof entfernet wurde, und sichder alte.Bischof von Frejus kein günstiger Schicksalversprach, suchte dieser dem Falle zuvor zukommen,und zugleich das Gemüth des Königs und des Hofesdabey zu erforschen. Er nahm also nicht lange dar-auf von Hofe selbst heimlichen Abschied, und reiseteden 21. Aug frühe um 8 Uhr ganz plözlich von Ver-sailles .weg, ohne jemand ein Work davon zu eröfNcn,und mehr denn einen einzigen Bedienten mit sich zu

nehmen. Als die Schulstunde kam, da er sich in des- ^ .--a» ^

gliedc: und man trug ihm auf, die Liste von denenoffenen Kirchen-Benesicicn zu halten.

Doch das war es noch lange nicht alles, was er jUkBelohnung seiner treuen Dienste bekam. Mandachte ihm die Recommendation zum Cardinalshutzu. Seine Information gieng allmählig zu Ende,je mehr bey ihm das Ansetzn des Staatsministeröwuchs. Zu seinem Glück traten seine zwey heimli-chen Feinde, der Cardinal du Bors, und der HerzogRezente bald von dem Schauplatz ab, und verliessenA. 172z. kurz nach einander das Zeitliche.

Der Herzog von Bourbon, der die erste Nach-richt von des Regenten Tod überbrachte, bewarbsich zugleich um die Stelle eines Premierministers.So wenig ihm Fleury auch dicseBedienung gönnete,sogeschwind war er ihm doch anitzt aus andern Ursachendazu beförderlich. Der König gewährte dem Herzogdie Bitte. Fleury hatte die Gnade des Königs, die

nehmen. Als die Schulstunde kam, da erpa- m ___

Königs Zimmer einsinden solte, suchte man ihn in,Freundschaft des Premierministers, die Gewogen-dem ganzen Schlosse mit äusserster Bestürzung, und heil des Hofs, und einen grosen Antheil an allenfand ihn nirgends. Endlich fand man auf seinem! Staats- und Kirchengeschäften. Nun war es auchTische zwey Briefe, davon einer an den König, beynöthig, sich um den pabstlichen Stul verdient zuandere an den Regenten geschrieben war. Er schützte, machen, wenn der Cardinals-Hut eis. lgen solle,in beyden sein hohes Alter und zunehmende Leibes- Fleury sieng an mit den päbstlichen Hofe Briefeschwachhetten als die Ursache seiner Entfernung vor, zu wechseln, und erbot sich, es so weit bey demKo-und versprach in acht Tagen mehr von dem Ortsei- nige zubringen, daß die Constitukion Unigenitttrnes Aufenthalts und den Ursachen seiner Flucht zu im ganzen Reich eingeführet würde. Er bat des-

mcsben. Der König wurde bey Ablesung dieser '' ^.. ^ - '

Briefe ungemcin bestürzt, und wölke durchaus sei-nen Präceptor wieder haben. Nun suchte man ihnzwar auf, und trafihn endUch bey seinem allen Freun-de, dem Herrn de Basville auf dessen LustschlosseTonrfon an: allein di/ beyden Abgeordneten, derStaatsrath pelletier cier knrcs und der Graf vonBeUrsle tonten ihn mitallerihrer Beredsamkeit nichtbewegen, daß er mit ihnen wieder zurückgekehretwäre.

Der König schrieb darauf mit eigner Hand in denverbindlichsten Worten an ihn; und hierdurch wardFleury erweicht, daß er noch den Abend wieder zu

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wegen um ein Breve an den Konig, daß in Formeiner Bulle abgefasset wäre, welches er durch einekönigliche Verordnung zu einem Staats-undKir-chengesetze machen, und im ganzen Reich einführenwelke. Nach oft wiederholter Versicherung, daßsolches ohne Widerspruch solte angenommen werden,fertigte Innocentius XlU. das Breve aus, darinneden Appellanten eine gewisse Zeit gesetzet wurde, ihreAppellation an ein allgemeines Concilium zu wider,rufen und die Conftitution anzunehmen, oder sie sol-len nach solcher Zeitlauf in den bereits wieder sieausgesprochenen Bann verfallen seyn. Der päbst-

Kleurn erweicht, datz er nocy ocn Lroeuv z»,l'che Nuntius brachte das Breve sogleich nach dessenVersailles ankam, und des Morgens darauf vor denj Empfang zu dem herzog von Bourbon, der ihnen

junaen König geführet wurde, der ihn ungemcin freu-^er übel damit anl.cs^und sehr weislich sagte:

^ ^ ...... . Lcn lolwes Breve wäre. wenn es.rnnc-necn,-

big und gnädig bewillkommete. Der erste Streichwar ihm also gelungen, daß er entweder ciircr gefähr-lichen Falle würklich entgangen, oder doch desto lie-ber und wehrcer bey Hofe war. Bey derAnno 1722erfolgten Krönung des jungen Königö, vertrat erdie Stelle des Bischofs von Langres als HerzogmidPair von Frankreich. Amro 172g. erhielt er dieWürde eines SraatSrarhS, wie auch den freyen Ein-tritt in die königlichen Zimmer. Die sämtlichenköniglichen Acadcmien erwählten ihn zu ihrem Mit-

M. Theil.

Lür solches Breve wäre, wenn es anMro.n-mett würde , vermögend, das ganze Reich irrZerrüttung zu fttzen. Fleury sahe, daß das Brevezur Unzeit angekommen, und muste sich selber schä-men, daß er mehr versprochen, als er ictzt haltenkonte, und wolte, wenn sein Credit bey Hofe nichtfallen solte. Der Herzog von Bourbon blieb dabey,und wolte von dem Breve durchaus nichts hören.Das Parlament setzte sich mit allen Kräften cinsiim,mig darwider. Von der Zeit an dachte Fleury ernst-lich auf des Premierministers, des Herzogs vonBour-Iiii bon