6§6
III. Fortsetzung von 174s. bis 1745.
Wcäs ist wegen der Privat ^ Versammlunggen gestritten worden,oder. sonst vorge,gangen?
cher Stein des Ansiosscns aus dem Wege geraumer!worden, es also auch künftig sich noch schicken könne,Laß beyde Theile nach deutlichern Ausführungen,nähern Erklärungen, und gemäßigter Überlegung,unter der guten Hand GOttes und dessen Erleuch-rung näher vereiniget und eines Sinnes in Christowerden.
Bey solchen Umständen hätte man fast gar nichtnöthig, noch einiger Puncte fort zu gedenken, diehier in Streit gekommen. Man kau bey keinemPuncte fast nichts weiter thun, als daß man Stim-men sammlet, und anführet, wie grosc und wie vielLiebhaber dieser, oder jener noch zu unserer Zeit ge-funden. Allein Anfänger wollen doch wissen, wasetwa das noch sey, wenn man in der Kirche von deinHNetisms redet? Es ist ihnen nöthig, die Sätzezu wissen, wodurch sich beyde Theile noch von einan-der zu unterscheiden pflegen, oder die noch aus jedenStreitigkeiten übrig sind. Um derentwillen, wollenwir einige von den Puncten anzeigen, die noch indiesen Tagen zuweilen rege gemacht, aber nicht ganzlich vor Unterscheidungsstücke mehr gehalten werden.Denn man muß wiederholen, was man schon oben K)deswegen erinnert hat. „Nicht alle, so man vor„Freunde des Pietismi hält, sind allen denen in„solchen Fragen der orthodopen Lehre entgegen sie,„hendcn Meynungen beygethan. Mancher erträgt„nur eines oder das andere davon an andern, oder„Haltes für Wortstreite; oder erkläret sich besser,„oder widerspricht demselben gar.„ Hingegen findetman nicht selten Leute, welche sonst wider die Pieti-sten zu Felde ziehen, vor die Orthodorie mit Eiferstreiten, und doch einen oder den andern Satz anneh-men , den man von Anfang unter die Picristischcngezehlet hat, wie z. E- in Ansehung der Lehre vonden letzten Dingen, der Hofnung besserer Zeiten,und grosen zu erwartenden Bekehrung der Iüdcnund Heyden geschicht u. d. m. Nach dieser Vorcr-mnerung kommen wir auf die Puncte selber, davonwir vor diesesmal nur folgende behalten:
r. LVas von den prwatversirmmlungen zuhalten?
L. von der Erkentniß und Erleuchtung derUnwiedergebornen ?
z. Von der Rraft des göttlichen LVorts.
4. Von der Buje.
5. c!>b der Glaube in dein LVcrk der Recht»fertigung thätig sey ?
L. Von den Mitteldingen.
7. Von der Hofnung besserer Zeiten, und derallgemeinen Juden- und Hcydenbekchrung.
8. Von der Beichte und Absolution.
Erstlich haben die Gelehrten die Sache unter sichauszumachen gesucht. Man weis von Alters her,daß viele die Pnvatversammlungcn bey dem Predi«gcr bey nahe für das wesentliche bey dem Prcdig-amte gehalten. Herr D. Baumgarten aber hatte inseinen Bedenken davon unter andern geschrieben: I)daß besondere Ve sirmmlungcn nnt Ausschlic«sung anderer einen Lehrer nicht anzurarhe»»wären. Er wurde deswegen von jemand, der diePrivatversaminluiigeii vor nöthig hielt,? naher umseine Meynung befragt, und er fand für nöthig, sichdarüber mehr und dahin zu erklären: m) Beson-dere und ordentliche Versammlungen, so mitAusschlicsungen anderer geschehen, anzufangen, wie-derrathe er allen Predigern, theils weil man sich garleicht in Beurtheilung der darcm aufzunehmendenPersonen irre», und zu unvermeidlichen Spaltun«gen oder Gewissenszwang Anlaß geben könne, theil«die Errichtung solcher Gesellschaften ächter Christenin einer rechtgläubigen sichtbaren Kirche weder deinSinn, Verfahren, und Muster der ApostolischenZvirche, noch der göttlichen Absicht und Vorschriftgemäß, und mehr Schaden daher zu besorgen, alsNutzen zu erwarten sey. Wie man aber zuweik gehe,wenn man alle Versammlungen, so von ordentlichenLehrern auser dem durch dieKirchengesetze icdeS OrtSverordnetem Gottesdienst angestellet werden, für un«befugte Unternehmungen, und Schwermerry aus-giebt: also könte man auch den allgemeinen Ver-sirmmlungcu, wozu jedermann gelassen werde, we-der eine allgemeine Nothwendigkeit beylegen, nochin Abrede seyn, daß man in Errichtung derselben,wo sie unvcrboteu sind, mehr Klugheit und Behut-samkeit gebrauchen müsse, als in den meisten Fällenangetroffen wird; n) wofern dcr Mißbrauch dersel-ben soll vermieden werden. An so weise Erinnerun-gen hat man vermuthlich nicht allemal gedacht, wosich deswegen „och einige Bewegungen hervor gethan.Als dcr sel. tllenzer A. 1740. seine LVortc derErmahnung an die ihm anverrraute Seelenherausgegeben, und darinne insonderheit vor heim-lichen Versammlungen gewarnet hatte, u) nahm
sich
l ) Baumgartens theologische Bedenken- Erst« Saunn-lang y. 175.
m) In der Vorrede dieser Bedeuten.
») Nachrichten von den neuesten theol. Büchern l'.ly.
v) Zrühaufgclescyr Früchte A. »74°- k- »7t-
k) p. 4»6.