HI. Fortsetzung von 1747. bis 774s.
Geist in der Erleuchtung >und Wiedergeburt ge-
schenket werden: die Erleuchtung sey ein übernatürliches und göttliches Werk, dem jedoch derMensch widerstehen könne. Allein darüber hatman sich noch nicht verglichen : Ab ein Unwieder-geborner in dem Sinn könne erleuchtet genanntwerden , wie das Wort in heil. Schrift gebrauchetwird ? Auf die Beantwortung dieser Frage grün-det sich die Entscheidung verschiedener Nebenfragen,z. E. ob die Erleuchtung so gleich mit der bucbstäb-lichen Erkentnis ihren Anfang nehme ? Ob sie Ver-stand und Willen zugleich angehe ? rc.
Das wird einem Anfänger genug seyn, den ge-genwärtigen Zustand des Streits zu erkennen, derzwar nicht gänzlich gehoben, aber doch entwedermit weit mehr Gelindigkeit und Enthaltung beyderseitiger Verdammungen, als jemals, in der neue-sten Zeit geführct, oder gar in Ruhe gelassen wor-den. Wir wollen eben keine Stimmen sammlen,und erzehlen , wie sich dieser oder )'ener GotteSgelehrte darüber erkläret: aber wir müssen doch einigedergleichen Erempel gleichsam zur Probe von demanführen, was wir jctzo erinnert haben.
Ww die Herren Verfasser der unschuldigenLZachrichreniii Aufhebung der Zeugnisse wieder denPictismum gar fleißig sind: also haben sie auch in gc-gcnwärtigem Zeitlauf solche Bemühung nicht nurfortgesetzet, sondern hierdurch auch den Streit selbergewissermaßen unterhalten. Man hat vor einigenJahren ihren Fortsetzungen einen Aufsatz einverlei-bet, b) dessen wir schon oben gedacht, in welchem dieSätze und Gegensätze in der Lehre von der Wissen-schaft eines nubekehrren Oc hod-xeu (wie dieAufschrift lautet) aus Malchs, Rauldachs, Srar-kens, Speners u. a. m. auf der einen, und ausO-uenstädrs, Zeibicho, Fcchrs u. a. in. Schriftenauf der andern Seite gezogen, also gegen einander
seine Theologie blos buchstäblich sey? welche aber
sehr kurz gerathen. Den Herrn Abt kNooheim,der ihnen etwas zweydcutig geschrieben zu habenschien, forderten sie aufs neue heraus, daß er sich indem Punct von der Erleuchtung unbckehrter Lehrergewieriger, als bis dato geschehen, erklären möchte. I)Mit dem H»rn Pastor Starken aber machten sie sichmehr zu schaffen. Der hatte in seinem betanken Bi-belwerk über Matth. ll, ;. geschrieben: Mau kön-ne eine buchstäbliche E kenrnisi auo der Schriftauch ohne die Erleuchtung .rlangen. Als sienun deShalben ihre Erinnerung gethan > hatte HerrStarke in den zu seinem Werk 1742. herausgege-benen Supplementen seine Verantwortung gethan.Sie beleuchteten daher diese Antwort von neuen, m)beschuldigten ihn eines fanatischen Irrthum», undzeigten, wie man auch den buchstäblich u Smu fürein Werk des heil. Geistes, und für eine einfache Er-leuchtung halten müsse.
In Pommern suchte Herr Valrhasar unter an-dern auch den Satz aus unsern Glaubensbüchern zubeweisen : daß der natürliche NIcilsch von gör li-ehen und geistlicheil Dingen zwar e.was, nichtsaber recht und eilsamlich verstehen könne, undalso ein Unwiedergeborner keine rechte und wahre'Erkentnis habe. n) Als Herr D. Reinha d bcyAbfassung seiner Theologie aus diese Streitigkeitenkam, lieSer sich die dreyfache Eintheilung von derErleuchtung gefallen, daß die erste zu der vorlaufen-den Gnade, die andere zur Bekehrung selbst, unddie dritte zur Erneurung gehöre. Da die Erleuch-tung auf solche Weise nicht auf einmal, sondern nachund nach geschehe, so könne sie allerdings im Verstän-de Platz haben, ohne baß der Wille dadurch gebessertsey. 0) Bey dem kleinen Streite »n der Ober«Lausitz wolle der Gegenpart die ihm von Herr M.Schütz vorgewoiffene donatistische Meynungen
vorgestellet worden, daß wir billig befürchten müssen, durchaus nicht auf sich kommen lassen, sondern bc-der Streit dürfte dadurch neue Nahrung bekommen, zeugete vielmehr, wie man keinesivegcs leugne , daß
wofern die jetzigen Umstände noch die alten wären.Unter andern wird auch daselbst von demsel.Rambachbemerket, was man hernach in demA,s;ug au? des
das Wort Gottes, und dir Cacramenra auch bey ei-nem unwicdergebornen Lehrer ihre völlige Araft be-halten, sondern nur die Frage aufgcworssen habe:
seu Sirrenlehre auch behalten, 1) daß er zugege-,Ob ein solcher Lehrer die Heylserdnung richtig, ohneden, man könne eiueu unwiedergebsrnen Theo- Verfälschung und Verstümmelung, und im Zusam-logen wegen seiner buchstäblichen Wissenschaft menhanae vorzutragen und anzuwenden pflege? p)erleuchtet nennen? Man rückte in eben demselben
Jahre eine genaugefaßre Antwort k) auf die Fra-ge ein: Ob ein solcher Lehrer, der nicht denGlauben hat, nur von Menschen gelehrcr, und
b) Fortgesetzte Sammlung von A. und N theol-SachenU. »74» p- rp6-ü»r.
i) Nachrichten von den neuesten theol- Büchern 1 '. I.
9 »47
Fortgesetzte Sammt.von A-u-N.A. >741.9.710.
menhange vorzutragen und anzuwenden pflege ? p)Damit man sehe. wie sich andere Gottes elehrteerklären, die an dem Streit nie einigen Antheil ze-rr om-
l) Früh aufgelesene Fruchte A-»742.P-'25.
m) Dieselbe 9. ny.i;,.
n) Nachrichten von den neuesten theol. Büchern T. l.. «7.
r>) Dieselbe 7 * II. 9.179.
9) Lcipz. gcl. Zeit. A. »745- 9. 27».