I. C ap. von den Zwistigkciten.
725
die Präexistenz der Seele Christi eben die Grundeangebracht, die der Verfasser sctzo weiter ausge-führt: die Arianer wären von seiner Meynung nurdarinne unterschieden, daß sie das, was er als dieSeele Christ» beschreibet, nicht eine menschlicheSeele genenncl: «n Christo müsten auf die Weisedrey Narurcn anzutreffen seyn, eine göttliche, eineenglische, und eine menschliche u. d. m.
Der Verfasser der I-ercre; Ivr I» relißion effen-rielle -r l'bc-inme I?z8. hatte auch die Meynungangenommen, die Seele Christi sey ein E»>g!lsickki(Nlst; darum berührte der Herr de Rockes Pastör zu Gcncv, der senen Briefen seine vrienlc clu(.brich,Li:,1ine entgegen setzte, 2) auch diesen Punct,und zeigte, K) wie eine solche Meynung i) Christonur in Ansehung der Schöpfung einen Vorzug vorden Engeln gebe,da ihm die Schrift einen unendlichenVorzug vor denselben beylege 2) leugne, daß unsChristus in allein, ausser der Sünde ähnlich seyZ) die Verwöhnungen zu Nachfolge Christi, alswelche sich auf diese Gleichheit gründen, unkräf-tig mache. Er setzet, so viel die angerähmte Er-klärung vieler schweren Schrifrstellen betrift, hin-zu: Es sey besser, daß man solche Stellen ihrer Dank-barkeit lasse, als daß man der heil. Schrift wie-verspreche, und die tröstlichsten Wahrheiten überden Haufen stosse. Sowol dem Herrn de Rockeals den Verfasser der Ilibliocbe^ne ksilonncs solloben gedachter Verfasser in den blouvesu fournrlou kccucil liceraire» so zu Genev herausgekommen,geantwortet haben.
Allein die neuerliche Meynung ward auch baldvon den Unsrigen untersucht. Herr (Larpov sahedas als eine gute Gelegenheit an , die Sache, soer in seinen vorigen Schriften vorgetragen, durchB eleuchtungder gegenseitigen Einfälle, desto deutli-cher auseinander zu setzen. Es erschien, ve negan-
«la animsc (ilirill, proe^xilleucia commcnralio, ceu
forss clsra a
/.«c. krsncof. äc I.ips. (oder vielmehr
Jena) c) 1740. in 4. Wie er schon in seiner erstenAbhandlung diesenigen in den Anmerckungen wie-derteger hatte, die das Vcrhersey» der Seele Chri-sti vertheidigen wollen: also sezre er hier die Wider-legung fort, und zog die BeweiSlhümer des fran-zösischen Gegners in scharfe Prüfung. Nachdemer gewiesen, daß sie nicht bewiesen, was sie bewei-sen selten, so leugnet er das Vorherseyn der SeeleChristi aus folgenden Gründen: i) GOtt habe kei-ne rarioncin vbs-ct v^ln weder in Ansehung seinselbst noch in Ansehung der Schöpfung, Erhal-
buverl.Mae Nachrichten I . U p- rZ5- legv) /VI i!aioricc>-ücclüt. (. VI. x. 609.
«) Leipziger gel Zeit. A. »741- p- 7°S-
tung, und Erlösung, noch in Absicht auf den Er^löser selbst gehabt, warum er die Seele Christi vorder Welt erschaffen sollen. 2) In den StellenHebr. Il, 16. und Luc. II, 52. liege das Gegen-theil. Aus der lezten sey besonders klar, daß dieSeele Christi die Weisheit, zu welcher er durchdas WachtSthum gelanget, zuvor nicht müsse gehabthaben u. s. w. 6) Über dieses zeigte er die Schwie-rigkeiten an, welche die Meynung derer drückten,so die Fortpflanzung der Seele Christi behaupten,wiederholtes nochmals, daß dieselbe bey der Em-pfängniß Mariä durch eine neue Schöpfung her-vorgebracht sey, <rnd antwortet auf das, was ihmdie Verfasser der Zuverlässigen Nachrichtenentgegen gesezt hatten, als ob nehmlich Christusauf solche Weise kein Sohn Davide und der Mariasey. Er suchte aus den Kennzeichen, die zu einerMutterschaft gehören, und aus der Erklärung derRedensart: Aus des andern Vorfahren her-kommen, zu erweisen, daß auch nach dieser Mey-nung Christus ein Sohn Davids seyn könne, e)Weil es bey diesem Streit hauptsächlich auf einerichtige Erklärung verschiedener Stellen der heil.Schrift ankam, so versprach man sich von derSchrift eines geübten Schriftauslezerö sehr viel,welche zu Hannover ans Licht trat: 5) 8criLlurw inL^Ilercacionem ^nonxmi cbcologico - cricicsm, ingua prriculurn 6c proosncli cx varii; Lcripturse ia-crw locis, animsm fein Lbrilli ei» incelliAenr pu-rum 6c gioriolum in coelo kuille, priuxgusm con-junFcrerur cum corpore liumano in utcro L. Ivlariievir^ini;. Xlamillsc loco sä lennilonii Lommenca-rionem 6e opparirionibuL Oei, AuÄore
1740. in 8- Die französische Abhand-lung war hierin das lateinische übersezt, und in dendarunter gesezten Anmerckungen durch und durchwiderlegt. Bey der Stelle 2. Cor. VIII, 9. wardangemrrckt, Christus sey nach seiner menschlichenNaruu vermöge der Vereinigung mit dem /.--/soallerdings reich gewesen, sey aber arm geworden,indem er sich des Gebrauchs der mitgetheilren Herr-lichkeit eine Zeitlang enthalten. Die RedensartenG(!)rr ist geboten, gestorben, gründeten sichallerdings auf die Schrift Ap. Gesch. III, 15. i.Cor. II, 8 Ioh. I, 14- l. Tim. III, 16. Durch dieArsv Phil. II. 6. 8- werde die herrliche undganz nia/estäkische Gestalt verstanden, in welcherGOlt den Propheten mehrenthcils erschienen, undYyy y z . darinne
ä) Iliilorico - kcclell 1. VI. p. yio-6»6.
e) Fortgesetzte Smumlungen von A. und. N- A.p. 46». leg.
I 5 ) Leipzig, sel. Zeit. A. 1741. ?. 552.