II. Cap. von dem Gottesdienste.
78 ?
ruchlose Buben, und ander böses Gesinde! unter-standen, nicht nur auf den Kirchhöfen, sondernauch so gar in den Kirchen selbst allerhand Muth-willen, mit Plaudern und Toben während dem Got-tesdienst, Emwerfung der Fenster, Besudelung derKirchhöfe, Schreyen, Raufen u. d. m. zu verüben,auch wohl nur brennenden Tobacköpfeifen beyLeichenbegängnissen am Tage, und bey Nacht, sichin die Kirche zu drängen u. s. w. so wurde durchein ernstliches Mandat dem Uebel gesteurct, und denUcberrrctern mit dem Halöeisen gedrohet.
Der prt'vak Belebte war in einem gewissenEvangelischen Lande her Abschied angekündiget, undes war den Geistlichen in demselben nicht wohl da-bey zu Muthe, weil die Sache mit Gewalt solltedurch getrieben werden: allein es wurde endlichnoch die Temperatur getroffen, daß sie ungeändertgelassen, und nur einem /eben, der daran Anstoßnehme, erlaubet seyn solle, ohne dieselbe jlimAbendmal zu gehen, n)
Die <8csangbüch>er sind keine geringschätzigeMittel, den öffentlichen Gottesdienst zu unterhal-ten und bequemer einzurichten. Diese hat man hierund da aufgelegt, und, wo es nöthig, wohl' verbes.sert. In diesem Zeitkauf aber ist vor andern daslVürtembecAlsche merkwürdig gewesen, welchesA. l?4l- durch das ganze Land eingeführet wurdeMan beschrieb dasselbe so: Es enthalte alte undneue Lieder, doch sey nicht jedermann damit zufrie-den. Man stosse sich vornemlich daran, i) daß inden alten. Liedern hier und da eine Aenderung ge-macht worden, darunter einige von geringer Er-hebllchkeit, andere von einigen Nutzen, noch an-'dere aber etwas bedenklich schienen: zu der letztererGattung rechnete man, daß in den zwey alten Lie-dern : O Heere GOxr dem görrUM ^Vordre,und Euhalr uns HEce bey deinem Word rc.die den Papisten anstößige Worte, als dort: Obwolrengleich, Pabsr. Laysce, Reichte, undhier: Und jkeur des pabfts und TürkenN^-rd rc- mit andern verwechselt worden. 2)Man war damit nicht zufrieden, daß man in altenLiedern ganze Strophen weggelassen. Doch versicherte man dabey, daß die alte übrige Kern - undGlanbenslieder der Evangelischen Kirche alle ganzund unversehrt stehen geblieben. ») Wie weitman einer Römischcatholischen Herrschaft in der-gleichen Dingen evangelischer Seirs sich gefälligerzeigen könne, und müsse, hatte Herr Canzlar
pfasf schon gewisser Masse anderwärts zu verstehengegeben. z>)
Vll.
Was ist sonst noch von den Klrchengebräu-chen und Ceremonien zu bemerken?
Wir wollen zuerst das erzehlen, was in Evange-lischen Landen deshalben vorgegangen. Von derLdnflkmarlOn eines jungen Grafen zu Pappen-heim hat man uns viel erbauliches erzehlet,: g)und eS muß so unschuldigen und nützlichen Ge-bräuchen unserer Kuchen zu keinem geringen An-sehn gereichen, wenn diejenigen, so GDttes Stelleauf Erden vertreten, mit ihren eigenen Exempelan den Tag legen, daß sie die Anstalten der Kirchenfür nützlich und erbaulich halten. Desto angeneh-mer ist es uns, zu dem, was wir im vorigen Theilvon der Eonfirmation des Cronprinzen in Dänne-inark erwehnet, r) noch das Beyspiel seiner könig-lichen Prinzeßin Schwester zu setzen, welche den8. April 1742. zu ungemeiner Erbauung der Hof-gemeine, und sämtlicher Einwohner der Residenz,in der neuen Schloßkirche zu Coppenhagen confir-miret ward. Es waren dabey sämtliche kömgl.Herrschaften und viel Fürstl. Personen, ingleichendie Glieder des hohen Conseil, die ganze theologischeFakultät, und das ganze geistliche Hofministeriumzugegen,als welche ausdrücklich dazu eingeladen wur-den. Das Examen wahrere eine gute Stunde,und die Prinzeßin beantwortete die ihr vorgelegteFragen über alle Grundwahrheiten des Christen-thums mit der grösten Freudigkeit. Sie sagte alleSprüche, die sie zum Veweiß anführte, auswen-dig her, und citirte dieselben sehr accurat: daherdie ganze Ceremonie den Zuhörern zu ungemeinerErbauung, und dringenden Gelegenheit zum LobeGOttes und herzlicher Fürbitte gereichere.
Noch ein dergleichen ruhmwürdiges Exempel istuns von Ebeleben im Schwarzburgischen gemel-det worden, wo das daselbst residirenden Fürsten,Herrn Augujrs, einzige Prinzeßin Tochter, diePrinzeßin LbarlStte, den Donnerstag vor demSonrage Cantare >744. in der Kirche bey Anwe-senheit Fürstlicher, adclicher, gelehrter, auch ein-heimischer und fremder Personen ihr Glaubensbe-kentniß öffentlich ablegete: worauf sie denn denSonraz darauf mit der Durchlauchtigsten Herr-schaft, welche das heil. Abendmal nie privatim,
n) Bauingarrmö theologische Bedenken vierte Samimlung p. 67. sog.
v) Iliüorico-Lcclel'. 1 °. VI. x. 70. 719.
x) Nachrichten von den neuesten theologischen Büchern1. ll. p. .7.
I Ililloi'ico-kcclex VI. 9. 76;»
I r) Eben dieselbe 1 . VII. z>. 24.