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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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l. Cap. von der Ftvechischen Kirche.

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der Copten, beobachtet man eben so genau nicht.Verlangt sie ein Kranker, so trägt man kein Be-denken ihm solche zu geben. Bey Ermangelungeines Geistlichen können die Eltern oder nächstenAnverwandten dieselbe verrichten. Stirbt der Kran,ke, so wird er, wenn er reich und angesehen gewe-sen, in die Kirche begraben. Es sind auch die Seel-messen bey ihnen gebräuchlich, ob es gleich einigeleugnen wollen. Sie sind in coptischer Spracheaufgesetzt, werden aber auch bisweilen, wenn nichtalle anwesende Personen diese verstehen , arabischhergelesen. Von dem Fegfeuer wissen sie nichts, 0)

Von der Höllenfahrt Thrijll behaupten sie,Christus habe alle Seelen aus der Hölle geführet,die Gläubigen gerade inö Paradies, die dlnglau.bigen und Gottlosen aber ausser der Erde in derLuft gelassen, von wannen sie die Teufel an einenOrt gebracht, wo sie bis an den letzten Tag verblei,ben »misten, p)

Von ihrem übrigen Gottesdienst und Birchen-gebrstuchen verdienet folgendes angemerket zu wer-den. Auf die Fasten halten sie sehr viel und sehensolche als ein nöthiges Stück der Religion an.Wenn man die vielen Fasten gegen die Dauer der-selben hält, so kan man nicht anders schließen, alsdaß die Copten wenig Wochen im Jahre zu ihrerRuhe und Ergötzung übrig behalten. Ausser dem,daß man die Woche vorher, ehe man beichtet, zweybis dreymal fastet, da man Brod und Wasser oderschlechte Hülsenfrüchte erst nachmittag um drey Uhrzu sich nimt, so haben sie jährlich vier grosse Fasten-zeiten. Man fastet erstlich von dem Sonntage Sep-tuagesimä an bis zu Ostern, da man nicht mehr alseinmahl isset, nemlich zur Vesperzeit. Die Speisensind trocken Brod, Hülsenfrüchte, Kräuter, oderauch Oliven, die aber nicht gewürzt sind. Zweitensfastet man vorn i;. Novembr. an bis auf den 25.Decembr. Zu der Zeit enthält man sich des Flei-sches und der Milch. Doch ist der Genuß der Fische

vom ersten Pfingsttage bis auf den Gedächtnißtagder Apostel Petri und Pauli, der in den Iumusfält. Denn diesen Aposteln zu Ehren wird sie ge-halten. In dieser ist der Genuß der Fische ver-gönnet.

In der Verehrung der Reliquien und Bilder derHeiligen gehen sie weiter, als alle andre Völker,die man nur dieserwegen zu schelten pfleget. Siehaben zu dem Ende besondere Plätze, wo sie dieBilder hinzusetzen pflegen. An den Festtagen zün-det man um sie herum Fackeln, Lichter und Lampenan. Wenn einem Copten etwas böses bevorstehet,oder wenn einer schon ein widriges Schicksal erfäh-ret, so läuft er eilends zu einem solchen Bilde, fältauf die Erde und schlägt sich erstaunlich an die Brust,wodurch er Hülfe zu erlangen meinet. Statuender Heiligen haben sie nicht. Denn dergleichen sindin ihren Augen als Götzen geachtet. Statt derenbedienen sie sich der Bilder, die auf Holz gemah,let sind. Auch sind sie hierinnen von den Papistenunterschieden, daß sie sich keine neue Heiligen ma-chen. Sie beten den Sohn GOttes mit seinerMutter zugleich unter einem Bilde an, welchesauch zu dem Ende ein jeder in seinem Hause an derWand angeheftet hat. Unter die andern Heiligenrechnen sie einige Lehrer ihrer Kirche aus dem grau-en Alterthum samt denen Märtyrern. Vor demGenuß des Blutes und des Erstickten haben sie,wie andere morgenländische Christen, grossen Ab-scheu, und beobachten ausser dem vieles , so GOttim alten Testament in solchen Dingen entweder zuthun, oder zu lassen befohlen hat.

Die gottesdienstlichen Walfahrten sind bey ihnensehr gewöhnlich. In Egypten sind viele Oerter,wo heilige Gebeine verscharret liegen. Von diesenglaubt man Wunderthaten zu sehen. Die vornehm-ste Walfahrt aber geschiehet nach Jerusalem zumheiligen Grabe. Weil der Weg dahin, wegen derStrassenräuber unsicher-ist, vcrsamlen sich in der

erlaubt. Die dritte Fasten ist zu Ehren der Jung- Hauptstadt Egyptens, Iacobiten, Griechen, Ar-frau Maria angestellet. Nach Abudncm Bericht g)!menier, Abessynier, Maroniten , auch viele Aus-sol sie am 24 Sept. anfangen und erst den r; Au- länder, allerseits zu einer einzigen Geselschaft, dieaukbän-'n! b.ie a,->-s,sn „n- man nennet. Die Anaabl dipü»»»

gust wieder aufhören; er hat sich aber hierbey un-fehlbar um eine ziemliche Zeit verrechnet. Mandarf da keine Fische essen. Die letzte Fasten wahrer

0) Trommler in der Abbildung der jacobitischen KircheOap. IV. p. Sklmon und van (Noch im gegen-

wärtigen Staat deS türkischen Deichs, I. Tb. x. Z24.- Els>ncr in der Fortsetzung der Beschreibung der griechischenChristen ,, 22.. Theolog. Büchersaal I. p. 254.

p) öibliocb. oc^nc,l. '1'. II. x. 167. Llsner

I. c. p. rzK.

g) Ilillor. lacobicar. Lax. XIX. x. 6r.

Ul. Theil.

man T-rrav.rn.r nennet. Die Anzahl dieser Pil-grimme belaufet sich öfters auf so bis 60002Köpfe,die sich alle mit einander vereinigen. So wolunterwegenö , als wenn sie in Jerusalem ankom-men, müssen sie den Türken verschiedene Steurenerlegen. Das vorgegebene Wunder des heiligenGrabes und was dabey für Feierlichkeiten vorgehen,haben wir schon oben erzehlet. r) Wenn solche vor-bey

r) S. diesen III. Theil x. 876.Pyy yy