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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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I. Cap. von den evangcl. luther. Lehrern.

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ter verwalten müssen. Das Dccanat hat er sech-zehenmal, das Prorcctorat aber siebenmal verwaltet.Sei» Tod erfolgte den 28. Febr. 1746. nach einerkurzen Krankheit, und sein abgelebter Eörper ward,wie er selbst befohlen, in dem Kloster Marienberg,woselbst er sich auf allcrgnadigste Erlaubnis einGrabmal errichten lassen, ohne grossem Geprängeden 6. Merz begraben.

Wegen seiner ausscrordcnlichen Freygebigkeit,Leutseligkeit und Gerechtigkeit ist er bey seinen Mit-bürgern jederzeit hochgeachtet und verehret worden.So ferne man ihn aber als einen Lehrer und Ge-lehrten betrachtet, so ist das allgemeine Urtheil vonihm sehr unterschieden gewesen. Er hakte seine Ver-ehrer, die den grösten Haufen seiner Schriften an

sank seine Samlung der Costnitzer Schriften mitvielen Vortheilen gebrauchet habe, also würden auchdiese Vasclischen und Refornrationsschnften ge«schwinde einen neuen Lenfant finden, der alles inOrdnung bringen und eine an einander Hangendeund gründliche Geschichte daraus verfertigen würde.Man rühmte einige von seinen Fabeln des altenHeidcnthums, in welchen er gewisse alte Geschichtesuchte. Man lobte seine Anweisungen zur Erklä-rung der heiligen Schrift. Man sagte, daß er die-selben bey einigen Stellen sehr wohl gebrauchet.Man bedaurete aber, daß er sie bey den meisten Stel-len selbst verlassen, und seine vielen Verdienste da-durch verdunkelt habe. Der Herr von der H«rdr,sagte man, hat unsere ganze heilige Schrift umge-

nahmen. Aber gegen einen seiner Freunde konte.gössen, um derselben ihre alte und wahre Gestaltman stets tausend ausweisen, die seine Erfindun- wieder zu geben. Er hat die ganze Ordnung ihrergen verwarfen, die ohne Verdrus, und oft ohne Bücher, und oft selbst die Theile eines Buchs ver

Lachen, seine Schriften nicht ansehen konten, denensogleich ein Wort missiel, so bald sie hörten, daßes ein Wort des Herrn von der -Hardc. Hinge-gen fanden sich auch nicht wenige, die weder jenem,noch diesem Haufen, und keinen Vorurtheilcn, son-dern ihren eignen Prüfungen folgen wolten. Die-se verglichen die vielen Schriften des Herrn vonder Hardc mit den Loosen eines Glückstopfs, ausdem man noch wohl nach stellS blinden Loosen eingutes L00S greifen könne. Man ruhmeie die tiefenEinsichten des Herrn Prebsts in die Sprachen derMorgenländer und Griechen. Man urtheilte,wer'über sechzig Jahre, wie dieser Mann, bey solchenSprachen zugebracht, der müste in denselben ein

rückt. Einige der ersten Capitel des Moses müssenweggenommen und meist aus Ende des alten Testa-ments gebracht werden. Die Geschichte Ruth, eingrosser Theil der Psalmen, das Lied des Salomo,viele Stücke des Esaia und Daniel, und wer weis,wie viele andere Stellen der heiligen Schrift, sindnicht so alt, wie man glaubt; sie sind vielmehr ganzneu, und auf die vortrefflichen Helden, auf dieMaccabäer, verfertiget worden.

Und durch welche Wege mag wohl Herr Hardtzu solchen Auslegungen seyn geführct worden, diemit den Anweisungen und Mustern seiner Lehrer,eines Gairdhagcns und Gchmidrs, von denener sonst ein so eifriger Schüler war, so wenig über-

vollkommener Meister seyn. Mail sagte, daß er einstimmen? In einem Briefe, dessen vornemsteu

derjenige, der zuerst angefangen, die vielen Weit-läuftizkcitcn aus den AnfangSgründen dieser Sprachen hinauszuwerfen, und ße auf eine kürzere undnatürlichere Art zu lehren. Mau glaubte, wenn'seine Gedanken von der Art der Verwandschafc diescr Sprachen auch falsch wären, so erleichterten siedennoch die Erlernung derselben. Man pries nochandere Dinge an ihm. Man hielte ihn für dengrösten Kenner der Geschichte, die sich bey der Reformation in Deutschland zugetragen. Man rühmte sein Glück, daß er das Herz eines Herrn gewon

Inhalt uns Herr ^arylef r) aufbehalten, und wo-rinnen verschiedene Lehren des Herrn von deuHurdt, beurtheilet werden, hat man uns dieseWege entdecket.Herr von ver Hardr, heist esunter andern, hat gefunden, daß die älteste Welkeine grosse Freundin von sinnreichen und geheimenVorstellungen ihrer Wahrheiten gewesen. Diesesist wohl wahr; aber unser Herr Probst dehnet dic-se Liebe so weit aus, daß er glaubt, man hättekaum ein Wort ohne ein Bild oder eine Decke zugebrauchen, reden können. Und hierzu leitet ihn

en, der ihm alle Handschriften , die er bey dicsenlseine eigene Seele, die mit dem Vermögen, ab-Geschichtcn gebrauchte, verschaffen können.^ Mauwesende Dinge sich lebhaft vorzustellen, und un-

knclt seine Samlung der Schriften der CostnikerKirchcnversamlrmg für ein Werk, das seinen Na-men allein verewigen werde. Man wünschte, daßdie vielen grossen Bande, die er nachher mit denGeschichten des BaseUschen Concilii und der Re-formation angefüllet, mögren unter die Pressen ge-geben werden. Man sagte, gleichwie Herr Leu,lii. Theil.

ter einander geschwinde zu vergleichen, wie ein,,Wasserkrug zu Eana, bis oben angefüllet ist. Hie-von zeugen alle seine Schriften. So haben wirdenn einen Mann, der zu Bildern, Geheimnissen,

Schat-

r) im ietzilcbcnden gelehrten Europa 1. M. p. tgg.

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