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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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I2HS

IV. Fortsetzung von 1746. bis 1750.

durch die Vetrügercyen der Brahmancr und andererHeiden bethörct. Ein Brahmaner hat frey gestan-den, daß sie nur die Wolle ihrer Schafe suchte», undsich weiter nicht um sie bekümmerten. Darüber ha-ben auch oft die armen Heiden geklagct, daß dieVrahmaner, wenn sie zu ihnen kämen, nur Reiß vonihnen forderten, und davon gicngen, ohne ihnenein Wort der Ermahnung zu sagen. Es ist ein Ge-rüchte ausgebreitet worden, ein Blinder sey von demGötzen Perumal oder wischrnu zu einem Grenz-Hüter gewiesen worden, ihn sehend zu machen, undda ihr, dieser im Vertrauen auf den Perumal miteinem Saft von gewissen Kräutern die Augen be-schmieret, habe er auf der Stelle sein Gesichte er-langet ; und durch das Geschrey von diesem Wunderist das arme Volk gar sehr in seinem Aberglaubenbestärket worden. Ueber dieses muß man oft überdie frechen Reden mancher schändlichen Heiden er-staunen. Einer hat gesagt: meine Seligkeit ist einBauch voll Reiß: ein anderer: das Vieh sterbe wieder Mensch; noch ein anderer: ehe er wolte einChrist werden, ehe wolte er mit seinen Anverwand-ten in die Hölle gehen. Ein heidnischer Schulmei-ster hat recht grobe atheistische Reden geführet,Sünde und Tugend, Himmel und Hölle geleu-gnet. g)

Bey diesen betrübten Exempeln liefet man'aberauch in den Mißionsberichten viele angenehme Pro-ben von der Kraft und Frucht des Evangclii.Manche, die anfangs frech widersprochen, und ih-ren Götzendienst als eiui Spiel, das sie mit ihrenReichthümern trieben, mit grossem Geschrey verthei-diget,sind aufeinmal beschämet worden,und haben sichganz aufmerksam bewiesen. Ein alter gelehrtcrTamulerhat gesagt: was ist zu thun? ich bin sehr alt,hinführo sehe ich mich nach einem guten Wegzur Reise um; und da man ihm den rechten Weggezeiget, hat er geantwortet; ich fühle es, was ihrmir gesagt habt, es bar mir noch kein Menschso zugeredet, ich biu durch eure Reden iuFurchtgeserzet worden. Ein Heide hat einen Mißiona-rium gebeten, sie mögten doch allenthalben herum-gehen, und was er mit ihm geredet, auch andern ver-kündigen. Eines heidnischen Schulzen Sohn hatnach angehörter Ermahnung und Gebeth des Land-Predigers gesagt; wer diese Worte weiß, undnicht darnach lebet, der muß gewis verlorengeb en. Ein Aandi oder Bcttclmönch hat den Ge-hülfen Murru-Gchawri und seine Gefährten mitvielen Freuden aufgenommen, und ist so voll Begier-de nach GOtteS Wort gewesen, daß er sie nicht hatwollen schlafen lassen, sondern einen guten Theil der

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Nacht mit den Eemigen ihnen zugehörct. EinHanfe Heiden hat nach angehörter Rede eines Ge»hülfen zu den gegenwärtigen Brahmanen gesagt:sehet, das ist eine rechte Lehre, woruach manselig werden kan, euer Vorgeben ist lauter Lü-gen. In Tirupalaturcn hat das gantzc Parrcier-dorf von 40. Familien, darunter die Heisre noch Hei-den sind, den Untercatecheten Muttu, ob er sichgleich gcwegert, durch eine schriftliche Verschrei-bung zu ihrem Oberhaupte erkläret. E>>» pan-dararran, oder cm Eigenthumsherr eines grossenStück Landes, hat durch zwey angesehene Bedientedie Freundschaft der Herren Mißionarren grsuchct,ihre Anstalten besehen lassen, und sich erbothen, mseinem Lande zu Erbauung eurer Kirche und andereAnstalten ihnen einen Flecken, Wodriwa^el ge-nant, zu überlassen. Insonderheit findet man beyverschiedenen Taufhandlungen viel erbauliches vonder erfolgten wirklichen Bekehrung so vieler zuvorverfinsterten und verstockten Heiden. Man triftviele angenehme Zeugnisse an, wie die Kinder in denangelegten Schulen in der ErkentniS GOtteS ge-wachsen und zugenommen. Man liefet mit Freuden,wie manche neubrkchrte Christen, wenn ste von ihrenAnverwandten und andern hart geschlagen, gcschim-pfet, auSgestofsen und verfolget worden, dennochstandhaft geblieben. Und so ist es auch überausschön, wenn man von solchen Christe» findet, was sieauf ihrem Todbette für eine grosse Freudigkeit undGewiSheit ihrer Seligkeit bezeuget, r)

Im Jahr 1745. erlitte die Mißion einen gedop-pelten betrübten Verlust, indem den 25. Iun. 174z.der treue und fleißige Hr. Aaron, erster Natwnal-und Landprediger, an einer sehr schmerzlichen Krank-heit verstarb: 5) welchem den z. Scpt. eben diesesJahrs einer von den Mißionarien selbst, Hr. (öorr-fricd Wilhelm Obuch, uachfolgete. r) Der Land-prediger Aar^n hatte dieses Jahr noch 4 Reisen inSLand, und sonderlich im mazaburamschen Kreis ge-than, und auf denselben viele Christen gestartet undermuntert, die Heiden erwecket, und auch manchewirklich herbey gebracht; cS waren aber diese Reisenallezeit unter vielen Schmerzen geschehen, und beyder vierten hatte er sich, müssen krank nach Hausebringen lassen, worauf sein Tod bald erfolgte. SeinVerlust wurde um so vielmehr bcdauret, weil er an

solche

r- /Si t>ia»r. c«Ics. 7. XII. -4s. tq- Ostindische Berichte,( 7 oncin. I Xl. p. 44.7;. i;8.147. (öonrir, l/Xls. rXt. re-7.

--Seine merkw'irdiqe Leteneuinstcknde und sehr erbaul che«Ende habet man ausführlich beschrieben i» den Ostiudischen be-richten l.xin. p. r«,. l«,. und IN den De-rräge» i» den

liikir. i-coter. 1 °. II- p. «»7-oxa.

r) Sein Leben steht ebenfais in den Ostin^,scheu Berichte»caorui. I.XIV. p. sqq. und in den Beyträge.» iu den ^»1«kor. ?> U. x. «;>. t4»i.