IV. Cap. von Ketzereyen und Trennungen.
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Vierorrh auch ganz sicher viel neues in die Kircheeinführen, weil man schon eine ziemliche Zeit vor-her den Religionseyd abgeschaffet, und dadurch denHerren Pastoribuö in diesem Gouvernement einigeFreyheit zugestanden, von der Liefiändischen Kir-chenordnung und ihren Agenden nach und nach abzuweichen, welches eben die klägliche Folge nach sichgezogen, daß mau die Herrenhuter unbedachtsamerweise in Liefland recipiret hat. In dem RevalschenStadtministerio aber ist der gewöhnliche Religions.--eyd noch in beständiger Observanz. Der Hr. Ober-Pastor Mickwiz aber ist zuletzt anders Sinnes wor,den, und hat sich nachmals dem HerrenhutischenWesen ziemlich widersetzet, wodurch denn geschehen,daß das dortige Ministerium, welches kurz vorherihrem Obcrpastori zu gefallen, den HerrenhutischenPnncipilS ganz und gar ergeben war, wieder um-geschlagen, und nebst ihm laniora prwcipia ange-nommen. Ob nun gleich die Revalsche Provinzdurch die Herrenhutische Vrüder in gross Verwir-rung damals gebracht worden, so hat doch das Re
lit» von Allard, vielleicht auf,RecommendationHrn. Past. Vierorrhs, welcher bey dieser Dame,die das thätige Christenthum mit reichlicher Darrei-chung ihres Vermögens gar sehr zu befördern such-te, in griffen Gnaden stund, eine grose Vcförde»rin gefunden, die auch hernach bis an ihren Todnicht wieder von der Herrenhutischen Parthey ab»zubringen gewesen ist. Man hielte darauf zu Wol-mar, allwo die Frau Gcneralin ihre Hofstatt hakte,heimliche Versammlungen der Herrenhuter, unddiese suchten sich sowol unter den Deutschen als Let-ten einen Anhang zu machen. Der Hr. General»superint. Fischer in Riga hatte das, was mit derBrüdergemeinde vorging, selbst einmahl auf demWollmarischen Hofe mit angesehen, und solche An-stalten gar sehr gerühmet. Als der Hr. Graf vonZinzcndorf selbst nach Liefland kam, so vergönneke ihmder Hr. Gcneralsupcrint. Fischer in der S. Iacobi»kirche 2 mal zu predigen, wodurch er sich zwar beyvielen gar sehr insinuiret, aber doch von dem dama-ligen Gouverneur ungnädig angesehen wurde, daß
valische Stadtministcrium mit dem Zinzendorfischer^er sich unter einem verdeckten Nahmen (nehmlichMißlvnairS keine Gemeinschaft gemachet, sondern eines Hrn. von Aachao in die Stadt Riga und in
vielmehr allen Fleiß angewendet, bey der einmal ein-geführten Kirchcnordnung uuverrückt zu bleibenAuch hat der damalige Hr. Stadtsuperintendent zuReval Hr. Vtrede seine Gedanken bb) von demHcrrenhutistben Wesen in Reval zwar kurz, abersehr wohl zusammen gezogen, eröffnet, und gczeiget,daß sich dabey Unrichtigkeiten hervor thäten 1) indem äusern Gottesdienst 2) in der Lehre g) im Le-ben und Wandel. Zu was vor Bewegungen derberüchtigte Chef und Patriarchc der Herrenhuter inLiefland, der Perruquenmachcr Dieffcr damals inReval 1742. d. 5. Iul. Gelegenheit gegeben, wirdin den Weimar. 1 . g. p.2yi. und 14. p. 1221.auch an dem letztcrn Orte p. iv22. einige seiner vor-nehmsten LebenSumstände angeführet.
In der Dörptischen, als Wolmarschen Inquisi»tionScsmmißion aber wider die Herrenhuter ist so
das Land cingeschlichcn hatte. Hierauf gieng derHr. Graf von Riga über Wolmar nach Reval, undI gab seinen Anhängern einen neuen Muth, den Plan,den man nun schon einmal gemachet hatte, getrostund freudig fortzusetzen. Die Herrenhuter breite!-ten sich im Rigaischen Districte immer weiter aus,und daueren an unterschiedlichen Orten neben denKirchen ansehnliche VersammlungShäuscr auf, un-ter welchen das Brunkenhofsche und wolmar-fche sehr beträchtlich waren. Hier kamen sie sehrfleißig zusammen, hier hielten sie ihre Gemeintageund Liebesmahlzeiten, machten daselbst immer neuePrüder, und divertirten sich unter schönen Muß-quen auf das allerbeste. Es kamen nun auch inder Esthnischen und Lettischen Sprache viele Her-renhutische Lieder aus, welche ohne Censur und desOberconsistorii Permißion in Reval gedruckt, undmit Verwerfung des Rigischen Gesangbuches und
viel ausgebracht worden, daß Hr. Grünere, Past. Catechismi Lutheri öffentlich gebrauchet wurden»zu Lremon im Rigischen Crcyje, der erste gewesen,schiene nun der Anfang vor die Herrenhutiader nach Hcrrcnhut geschrieben, und sich von- dan, ^ ^ gur zu seyn, sie wurden an einigen
nen e.mgc Arbeiter ausgcbethen habe. Es halteten sehr wohl gehalten, man sahe sie alsdieser Mann ehemals als 8mä.osu; im durchreisen Lcnsores worum an, und eS fieng bey nahe
Herrenhuth besuchet, und daselbst die ersten Anstalten, welche der Hr. Grafvon Zinzendorf unter denneuen Brüdcrn gemachet, mit angesehen. SeineMeynung aber von diesen Anstalten war besser, ale^sie es Verdiensten. Hierauf haben die Herrenhuterin Liefland an der 1750. verstorbenen Frau Genera-
bi>) Welche in den Weimar. Lüir.1'.l4. k> U2IZ- lviö.ganz eingerückt sind.
ein jeder an, sich für ihnen zu fürchten, der nichtmit ihnen in ein Horn blasen wolte; daher auch derAnhang im Lande immer stärker wurde. Inson-derheit aber schiene die Bauerschaft ein groseS Wohl-gefallen an ihnen zu haben.
Einige adeliche Häuser öffneten ihnen Thüre undThore, und liefen sich von ihnen gänzlich beherr-schen.