1772—1778
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dungeil meines Herzens Platz und Hinterhalte dir nicht, daß ich deineAntwort mit eben so viel Rührung gelesen, als ich bei Schreibungmeines Brieses gefühlt. Die Zeichen eines feurigen Triebes undVerlangens in einem Kinde zu einem tugendhaften lind arbeitsamenLeben ist für Eltern der süßeste und angenehmste Gedanke. Die Begierde,das Gute und Tugendhafte der Menschen nachzuahmen, ist ein vor-treffliches Mittel, das ich dir oft empfohlen. Aber man muß nicht hierstehen bleiben, sondern seinen Verstand und Herz zu dem Ursprungalles Geschaffenen erheben und in dieser allein reinen göttlichenQuelle die unerschütterlichen Grundsätze zur Tugend und Glückselig-keit schöpfen." Und 1776 in die Stadt, wohin der Knabe, demdas Leben in Kyburg etwas zu einsam geworden zu sein scheint,zum Besuche gegangen: „Nun bist du bald eine ganze Woche in derStadt nach deinem Verlangen gewesen. Wenn du viele unschuldigeVergnügen genossen, freut es mich herzlich; doch zweifle ich, daß duso viel gesunden, als deine dunkle Vorstellung dich erwarten ließ.Selten kennt ein Mensch, und in deinem Alter besonders, den Werthdessen, was er besitzt und genießt. Das geringste Unangenehme inseiner alltäglichen Lebensart, so glücklich und vergnügt sie immer seinkönnte, ist oft die Quelle einer unzufriedenen, dunklen Empfindung,die immer seiner Seele gegenwärtig ist. Eine kleine Erfahrung hast dujetzt machen können. Lege dir nur die 2 Fragen vor: 1) Habe ich soviele lebhafte ausnehmende Vergnügungen in der Stadt gesunden, daßsie meines sehnlichen Verlangens werth gewesen? 2) Mußte ichnicht andere entbehren, die ich täglich genießen kann? Die Beobach-tung seiner selbst und dessen, was im Innern vorgeht, ist die besteLehrerin aller Weisheit." — Der Knabe, frühe entwickelt und vonlebhaftem Triebe, in Kenntnissen und Einsichten zuzunehmen, scheinteinige Neigung gehabt zu haben, zu viel auf sich zu halten imd überdie jüngern Geschwister unfreundlich sich zu erheben. Hr. Balberschreibt deßhalb Hrn. Pfarrer Meyer 1775: „Ich bitte, schreibenSie dem Knaben weniger schmeichelhaft, sonst verderben Sie, wasich mit vieler Mühe gutzumachen hoffte. Entweder muß er IhreKomplimente als Satyre ansehen, und damit hätten Sie Ihre Ab-sicht nicht erreicht, oder seine Eitelkeit, die gewiß keine Nahrungnöthig hat, muß allzu sehr gekitzelt werden. Denen, die ihre Größeso wohl fühlen und sie andere fühlen lassen, werde ich niemals