Band 
Erster Band.
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1772—1778

schmeicheln, aber jedes bescheidene Verdienst, so viel an mir steht, zuermuntern trachten." Hr. Meyer schreibt dem Knaben 1776: „Ich möchtegerne Ihre Gedanken über Folgendes vernehmen: Welches ist wohl dasbeste Mittel, bei dem schnell aufkeimenden Triebe eines fähigen Kopfesalles zu wissen, alles zu übernehmen und allem gewachsen zu sein,die Ausschweifung zu verhüten, damit bei aller Lebhaftigkeit desGeistes zugleich eine ernste und anhaltende Ueberlegung und eingeduldiger, unermüdlicher Fleiß stattfinde?" Da die Antwort denWunsch aussprach, die eigene Meinung des Hrn. Meyer über die Fragezu hören, erwiederte dieser: „Mir kommt die Lebhaftigkeit vor, wieein stark fließendes Wasser, womit man zu bewässern pflegt. Bleibtes in einer Wiese stehen, so nützt es nichts, es schadet und bildeteinen Sumpf. Wird es aber durch ordentliche Kanäle und Grübeneingeleitet und abgeführt, so läßt es den zur Befruchtung dienendenSchlamm zurück. Unterdrücken Sie die Lebhaftigkeit nicht, aberleiten Sie selbige oder lassen Sie solche von andern leiten." Fernerderselbe: „Glücklich, wenn wir vergessen können und es sogar voruns selbst verbergen, falls wir mehr wissen, als andere. Die christ-liche Religion nennt diese Tugend Demuth." Nach schwerer Erkran-kung der Mutter von David, 1777: „Ihre liebe Mama empfahl aufihrem Krankenbette Ihrem Lehrer (bei dem Glücke und der Ruheseines Lebens empfahl sie es ihm) und bat ihn, Euch die Religionüber alles wichtig zu machen. Sie schützen jetzt gewiß Ihren Lehrernoch mehr und höher, als jemals." 1778 demselben: „Sie fragen,warum der 84jährige Voltaire nach neuen Lorbeeren strebe, da diealten noch nicht verdorrt sind. Darum, weil der Ehrgeiz zu dendrei Dingen gehört und das vierte ausmacht, welche niemals sagen:es ist genug. — Klopstock's Oden, Lessing's Trauerspiele und DonQuixote werde ich nach Wunsch kommen lassen und nach Kyburgsenden."

Auch mit einem um 2 Jahre jüngern Freunde, Konrad Finster,dem nachmaligen Generalquartiermeister und Rathsherr, führte derKnabe lebhaften Briefwechsel. Die Freunde unterhalten sich überihre Lektur, die Reise des Kaisers Joseph, die Politik, besondersden amerikanischen Krieg, wobei Finsler auf Seite der Engländer,Wyß der Amerikaner steht, über ihre Studien, und die Verschieden-heit des Charakters tritt schon stark hervor. Finsler ist schon damals