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Uniform war ihr liebstes Kleid. Alle gebornen Fürsten, diesich seit der Reformation durch kriegerischen Ruhm auszeichneten,die Gustave, Karle, Friedriche, Bernharde, sind pro-testantische Prinzen. Der Grund dieser Regel muß folglichin der Religion liegen. Das evangelische Bekenntniß ist günstigfür die Macht der Herrscher, weil es den Geistlichen keine weltlicheGewalt zugesteht, während die katholische Kirche der Entwicklungeines festen und manneskräftigen Charakters bei Fürsten um somehr widerstrebt, je höher die künftige Stellung ist, zu der jenePrinzen berufen sind. Ueber die Natur der Künste, welche diePriester zu diesem Zwecke gerade zur Zeit des 30jährigen Kriegesgebrauchten, besitzen wir treffliche Urkunden. Man traut z. B.seinen Augen kaum, wenn man die Instruktion *) liest, nachwelcher Churfürst Maximilian von Bayern erzogen werdensollte, und nach der er wirklich erzogen worden ist. Wer aus derSeele eines begabten Knaben alle Kraft austreiben, wer auseinem Prinzen einen Karthäuser- oder Kapuciner-Mönch machenwill, kann keinen sichern Weg einschlagen, als der ist, welcherin jener Instruktion vorgezeichnet wird. Die Jesuiten waren es,die diesen Erziehungsplan dem schwachen Herzog Wilhelm V.von Bayern, der freilich nach demselben Schnitt abgerichtet wor-den war, eingegeben hatten. Die böse Absicht leuchtete so grellhervor, daß ein rechtschaffener bayerischer Prälat die Feder ergriffund in einem Schreiben an den Landesherrn den Betrug auf-deckte. »Fenophon's Cyrus,« sagt er, »müsse man bei der Er-ziehung junger Fürsten zum Muster nehmen, und nicht die Träu-mereien von Heuchlern; praktische Männer soll man aus denPrinzen ziehen, und keine Pedanten.« Das Gutachten des Präla-ten schließt mit folgenden kühnen Sähen: »Maximilian wirdin der pythagvrischen Schule erzogen. In dieser besteht diehöchste Vollkommenheit darin, still zu schweigen, und mit zittern-der Furcht dem Winke der Lehrer zu gehorchen. Die nothwendigeFolge davon kann keine andere seyn, als daß auf diesem Wegeder gewöhnliche Lauf des Alters und der Natur gehemmt wird.Geschieht nun dieses mit Absicht und mit wohlüber-legtem Rathe, so dürfte es höchst geeignet seyn, zu
*) Siehe Wolf, Geschichte Maximilians l, erster BandSeite S3 u. flgd.