Buch 
Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
Seite
653
JPEG-Download
 

«53

untersuchen, ob eine solche Absicht und ein solcherRath nicht etwa von einer Parthei herrührt, die eSgeflissentlich darauf anlegt, daß sich die treffli chenGeistesanlagen unseres Prinzen nie entwickeln sol-len u. s. w.« So beredt und so wahr auch der Prälat seineStimme erhob, horchte man doch nicht auf ihn. Dieselben, dieden Plan ausgebrütet, sezten ihn auch durch. Nun haben wirhieran ein Bild, wie damals und lange später alle katholischenErbprinzen, namentlich auch der Kaiser Ferdinand II., erzogenwurden. Die Kirche begünstigte nur dann kriegerische Fähigkeitenbei Fürsten, wenn sie dieselben für ihre Zwecke benutzen konnte.Auch hieven gibt das Leben desselben Maximilians ein Bei-spiel. Als er im Jahre 1593 in Rom war, fragte ihn derheilige Vater, ob er nicht an eine Heirath denke. Maximilianantwortete: er wünsche vorher erst die Welt zu sehen, etwas zulernen, und vor Allem sich im Kriegswesen zu unterrich-ten. Bei dieser lezten Aeusserung eines Prinzen, der so theo-logisch erzogen war, verbreitete sich ein boshaftes Lächeln überdie Gesichtszüge des römischen Oberpriefters, laut äusserte er seineFreude darüber, er sah in dem jungen Guelfen einen Geyer,der einst dem edlen Reichsadler ein Auge auspicken sollte.

Schließen wir. Die ghibellinische Sache scheiterte im 30jäh-rigen Kriege zulezt daran, daß der Monarch, zu dessen Gunstendie Kaiserwürde eine Wahrheit werden sollte, nicht selbst diehöchste Leitung übernehmen konnte. Als es zur Entscheidungkam, traten alle die Nachtheile ein, welche unabwendbar sind,wenn ein großer Fürst die wichtigsten Angelegenheiten, die erselbst besorgen sollte, einem Andern anvertrauen muß. Voll-kommen bestätigte sich hier die Wahrheit des arabischen Sprüch-worts: Warum ist der Löwe das stärkste Thier und König überdie andern? weil er sein eigener Vezier ist und alles selbst thut!Ferdinand II. mußte also nachgeben, und seinen Feldhaupt-mann wenigstens für den Augenblick aufopfern. Aber sollte erdarum die Hände in den Schooß legen und ruhig zusehen, wiedie Guelfen Wallensteins stolzes Gebäude Stein um Steinwieder schleiften? Es gab noch einen zweiten Ausweg, der mitgroßem Verstand eingeschlagen wurde. Die Schweden wareneben ins Reich eingerückt, dieß schien so meinte die Weltein großes Unglück -für den Kaiser, aber die Kunst eines