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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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Staatsmanns besteht darin, aus dem Gifte ein Heilmittel zubereiten, Feinde als Verbündete zu gebrauchen. So geschah eshier. Der kaiserliche Hof leitete die Sachen so geschickt, daßGustav Adolph auf natürlichem Wege und in ehrlichem, offe-nem Kriege dasselbe thun mußte, was Wallenstein durch Hin-terlist und Mord hatte vollbringen wollen. Ohne je einen Briefoder ein Wort mit einander zu wechseln, waren der Kaiser unddie Schweden durch gemeinsames Interesse bis zum Frühjahr 1631Verbündete. Das ganze Gewicht des Krieges wurde auf denNacken des Churbayern gelegt, und sein Feldherr Lilly so schlechtunterstüzt, und durch widersprechende Befehle so lange gehezt, daßer endlich auf den Feldern vor Leipzig den Schweden unterliegenmußte. Wenn die Schlacht bei Breitenfeld ein tödtlicher Schlagfür den Churfürsten von Bayern war, so freute sich der Kaiserim Herzen darüber: denn nun waren die übermüthigen Guelfendurch eine frömde Hand gefällt, und Maximilian I. mußtedas Gericht verschlucken, das er in Regensburg eingebrockt.Jezt war es Zeit, den Fried land er, der nur einstweilen wei-chen mußte, wieder auf den Schauplatz zu rufen, um den Kampfwegen der Herrschaft Deutschlands zwischen dem Kaiser und Schwedenauszufechtcn. Daß die Sache sich so verhält, und daß der Kaiserdurch Gustav Adolph die Macht der Liga zerreiben wollte,dafür können wir eine Reihe der bündigsten Beweise anführen.Erstlich läßt es sich nur unter dieser Voraussetzung begreifen,warum Ferdinand II. mehr als die Hälfte seines von Wal-le »stein geschaffenen Kriegsvolkes in demselben Augenblicke ab-dankte, wo die Schweden sich im Reiche festsezten. Wäre es ihmErnst gewesen mit dem Kriege gegen Gustav, so hätte er dießnicht gethan, denn wenn ein Hannibal vor den Thoren steht,wirbt man Soldaten und entläßt sie nicht. Allerdings hatten dieFürsten in Regensburg auch auf Abdankung des FriedländischenVolkes gedrungen, aber nur so lange der Herzog nicht gefallenwar, nach seinem Sturze hätte der Bayer mit Freuden seinehinterlassenen Regimenter übernommen, wenn der Kaiser seine Ein-willigung dazu gab. Folglich waren es nicht die Bitten desChurfürsten von Bayern, welche Ferdinand II. zu der großenHeeresverringerung bewogen, sondern ein ganz anderer Grund.Zweitens spricht für unsere Behauptung das Verhältniß, welcheszwischen dem entlassenen Friedländer und dem Kaiser stattfand.