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verzögert wird, oder wenn man ihnen keine gute Winterquartiereverschafft? Vorthcilhafter würde es daher nach meinem Erachtenseyn, wenn man so lange wartete, bis wir vom Kaiser angegriffenwürden. Wir sind zur See mächtig genug, und haben fürSchweden nichts zu befürchten, und unsere Landmacht ist zurVertheidigung Preußens hinreichend.« Oxenstierna, dessenkalte Besonnenheit das aufblitzende Feuer des Königs oft mäßigte,blieb auch später der Meinung, daß der teutsche Krieg vielmehrdas Werk eines begeisterten Gedanken als reifer Ueberlegunggewesen sey. Damals suchte ihn Gustav Adolph in einemAntwortschreiben eines Bessern zu belehren. »Die Macht desKaisers,« sagt er darin, »ist freilich sehr bedeutend, aber sieschreckt mich nicht. Nur das bedaure ich, daß mich dieser neueKrieg ausser Stand sezt, meinen geliebten Unterthanen die er-sehnte Erleichterung der Abgaben gewähren zu können. Es istwahr, der Kaiser hat große Summen von den teutschen Reichs-ständen gezogen, allein die Hanse- und Reichsstädte blieben dochgrößtentheils verschont, und von diesen hoffe ich um so mehrkräftigen Beistand, weil sie nichts so sehr wünschen, als Befreiungvon dem Druck der kaiserlichen Soldaten, und weil sie gewiß beider Ankunft eines Heeres, das für die Freiheit von Teutschlandzu fechten bestimmt ist, keinen Anstand nehmen werden, sich gegenden Kaiser zu erklären, so wie solches auch* von vielen teutschenFürsten geschehen wird.« Weiter fährt er fort: »Ich schmeichlemir auch, daß andere Mächte, denen an Demüthigung Oestreichsso viel gelegen ist als mir, mich unterstützen werden. Wenn derKönig von Dänemark uns auch keinen Beistand leistet, so glaubeich doch wenigstens, daß er uns nicht hinderlich seyn wird,denn es ist für ihn wie für uns gleich wichtig, den Kaiser vonder Ostsee zu entfernen. Der König von Polen wird zwar beidem geringsten Unfall, der uns zustößt, kein Bedenken tragen,den Waffenstillstand zu brechen; sind wir aber glücklich, so mußer uns in Ruhe lassen. Preußen bedarf keines Heeres zur Ver-theidigung, die daselbst herrschende Hungcrsnoth ist schon hinrei-chend, die Feinde abzuhalten. Alles hängt daher von dem An-fange ab, redet mir deßhalb nichts mehr von einem bloßen Ver-theidigungskriege vor. Das Meer ist groß, und wir haben inSchweden sehr weitläufige Küsten zu bewachen. Entwischt unsdie feindliche Flotte, oder wird die unsrige geschlagen, so würde