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es weit schwerer seyn, Schweden zu vertheidigen, als den Feindin seinem eigenen Lande anzugreifen. Erwägt Hiebei, daß Allesgewonnen ist, wenn wir gleich Anfangs einige Vortheile übereinen Feind erringen, den wir in seinem Lande aufsuchen, dagegenalles verloren, wofern wir ihn in Schweden erwarten wollen.Die Erhaltung von Stralsund ist für uns äusserst vorthcilhast.So lange uns dieser Hafen offen steht, werden wir auch unserAnsehen auf der Ostsee behaupten, und gelingt eS uns, das um-liegende Land in Besitz zu nehmen, so werden wir vermittelstdieses Hafens die ganze Nordküste von Deutschland in Furchtversetzen, mit Schweden offene Verbindung erhalten, und ausdiesem Reiche uns alle Bedürfnisse verschaffen können. Um aberStralsund zu beschützen, müssen wir uns nicht in Schweden ver-kriechen, sondern mit einem Heere nach Deutschland hinübergehen.Seyen wir darauf bedacht, nicht nach englischer Weise *) zu han-deln, und unsere Zeit mit Unterhandlungen und Gesandtschaftenzu verderben, durch die sich nur Thoren täuschen lassen. Nurmit den Waffen in der Hand muß man sich mit dem Kaiser zuvergleichen suchen.« Gustav Adolph sezt hiebet durchgängigvoraus, daß Wallen stein die nöthigen Schiffe zusammenbrin-gen könnte, um den Krieg nach Schweden hinüber zu spielen.Aber der Kaiser besaß ja nicht eine einzige Fregatte, und dieserMangel war der alleinige Grund, warum man dem Dänen imFrühjahr 1629 so günstige Friedensbedingungen angeboten hatte.Die Voraussetzungen des Königs waren also durch allbekannteThatsachen widerlegt. Man steht also gleich hieraus, daß GustavAdolph von andern Triebfedern geleitet wurde, als die waren,welche er offen aussprach.
Der König fürchtete, daß die Masse des Volks, das sich,wie er selbst gesteht, nach den Segnungen des Friedens sehnte,den teutschen Krieg ungern sehe. Es schien ihm deßhalb bedenk-lich, die Frage den Ständen unmittelbar vorzulegen. Er brauchteein Mittel, das schon öfters mit Glück angewendet worden war,um ihre Zustimmung durch den Vorgang angesehener Namen zubestechen. Anfangs November berief er die ihm ergebensten Mit-glieder des Reichsrathes zu einer Versammlung, um über dieFrage zu entscheiden, ob man sich auf die Vertheidigung beschränken,
*) Wie der thörichte König Jakob.