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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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Bayern und der katholischen Liga Freundschaft halten, oder we-nigstens sich zur Neutralität verstehen solle, wenn jene das Gleichethäten. Warum nun dieser achte Artikel, der sich doch als einenothwendige Folge des siebenten von selbst verstand? warum diesesangehängte sonderbare »Wenn«, das die vorhergehende Bestim-mung geradezu aufhebt? Ohne Zweifel muß man annehmen,daß die französischen Bevollmächtigten auf dem Vordersatze bestan-den, während die Schweden die Hinterthüre der Bedingung daranflickten. Es war ein Punkt, über den man sich nicht vereinigenkonnte, und den man deßhalb dem Zufall überließ. Die Franzo-sen erkannten damit an, daß sie in diesem Punkte nicht Herrüber die Umstände seyen. Und so war er auch in andern Bezie-hungen. Richelieu hat sich in Gustav Adolph getäuscht,seine schlaue Berechnung, die bei Menschen von gewöhnlichemSchlage nie fehlte, ward zu Schanden an dem hohen Charakterdieses Helden. Der Kardinal wollte dem Schwedenkönige einStück Geld in die Hand geben, wollte ihn hinüber nach Teutsch-land schicken, um ihn dort, wie eine Puppe, mit den PariserFäden herumzulenken, wie es seiner Eminenz beliebte. GustavAdolph dagegen war nicht gemeint, eine Rolle zu spielen wieChristian VI. von Dänemark, und sich für fremde Mächte inSVerderben zu stürzen. Allerdings bedurfte er eine französischeGeldunterftützung, aber er wußte auch, daß ihm dieselbe nichtentgehen konnte, weil der Pariser Hof die Demüthigung desteutschen Kaisers u«y jedes Opfer erkaufen würbe. Erst wollteer durch Thaten seinen Werth zeigen, um dann desto bessere Bedin-gungen zubekommen. Da Charnace die Entscheidung über denGang des teutschen Kriegs seinem Hofe vorbehalten wissen wollte,nahm Gustav Adolph seine Geldanerbietungen sehr kühl auf.Nun brauchte der französische Botschafter einen Kunstgriff, dervon Unterhändlern so oft angewendet wird, aber nur Thorentäuscht. Er stellte sich, als ob er das Bündniß ganz aufgebe,verlangte seine Pässe, um nach Frankreich zurückzukehren, undreiste auch wirklich ab, aber nur nach Coppenhagen. GustavAdolph ließ ihn ziehen, und genoß die Schadenfreude, denFranzosen bald wieder nach Stockholm zurückkommen zu sehen.Charnace beschönigte seine Rückkunft mit dem Verwände, derKönig, sein Herr, habe ihm befohlen, den schwedischen Monar-chen nicht zu verlassen, damit er seine allerchristlichste Majestät