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der Pariser Hof waren darin einig, daß die hochangeschwollcneMacht des teutschen Kaisers gedemüthigt werden muffe. Ehenweil dieser Wunsch Beide gleich stark belebte, boten sie sich dieHand zu einem Bündnisse; aber über die Art, den gemeinschaft-lichen Zweck zu erreichen, konnte leicht ein gefährlicher Streitzwischen den beiden Kronen Frankreich und Schweden entste-hen. Vor dem Ausgang des Regensburger Reichstags warenzwei Fälle möglich: entweder dankte der Kaiser seinen Feldhaupt-mann Wallen stein nicht ab, dann hätte sich der Churfürstvon Bayern und die Liga voraussichtlich mit Schweden zumKampfe gegen den Kaiser vereinigt, und diese Wendung der Dingewäre für Frankreich die günstigste gewesen; oder zweitens opferteder Kaiser seinen Feldherrn aus, und wälzte die Last des schwe-dischen Krieges auf den Nacken Maximilians I., dann bliebden Schweden nichts anders übrig, als sich auf Bayern und diekatholischen Reichsfürsten zu werfen, die, wie zu erwarten stand,von dem Kaiser nur lau unterstiizt, oder vielmehr dem Feindepreisgegeben wurden. Allein dieß konnte Frankreich nicht dulden,Frankreich, das mit Maximilian I. von Bayern damals sogut in Unterhandlungen stand, als mit Gustav Adolph,Frankreich, das die sogenannte teutsche Freiheit oder dle Hemmungder kaiserlichen Obergewalt durch die Reichsfürsten seit langer Zeit -und mit bestem Erfolge für sich, obwohl zum größten Nachtheilder teutschen Nation, auf alle Weise unterstüzte. Die Möglichkeiteiner sehr schweren Collision zwischen Schweden und Frankreichliegt also am Tage. Nur im ersten bezeichneten Falle gingen dieInteressen beider Kronen durchaus mit einander Hand in Hand,im zweiten waren sogar der Kaiser und Gustav Adolph solange, bis die Liga durch Schweden unterlag, stillschweigendeVerbündete. Sicherlich ist dieß der Grund, warum der Vertragmit Frankreich nicht im Jahr 1630 zu Stande kam. GustavAdolph wollte sich die Hände nicht binden lassen. Daß sich dieSache so verhält, geht aus der Wiederholung desselben Streit-punktes beim Abschlüsse des Bärwalder Vertrags hervor. Dersiebente Artikel dieses Traktats besagt, daß alle Fürsten und Stände,teutsche wie fremde, katholische wie lutherische, dem zwischenFrankreich und Schweden wider den römischen Kaiser abgeschlosse-nen Bündnisse beitreten können, der nächstfolgende bestimmt nochinsbesondere, daß Gustav Adolph mit dem Churfürsten von