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erreichte jedoch, durch unerwartete Hindernisse aufgehalten, Damiherst am 24ten nach Tagesanbruch. Obgleich von den Feindenbemerkt und mit Musketenfeuer empfangen, drang er doch durchdie Wasserpforte in die Stadt, und mezelte die Kaiserlichen nieder,die er in den Straßen fand. Die Besatzung zog sich nun ineinen Thurm, S. Johanns Thurm genannt, und auf das Ge-wölbe der Hauptkirche des Ortes zurück, von welchem herab sieein starkes Gewehrfcuer erhob. AIs jedoch Damih die Dächerder benachbarten Häuser von seinen Musketiren besehen und in dieKirche 3 Tonnen Pulvers bringen ließ, das auf seinen Winkangezündet werden konnte, verlangte Dufvur zu kapituliern.Er erhielt freien Abzug mit Sack und Pack, aber ohne die Ehreder brennenden Lunte, und begab sich in das Lager zu Garz.Die Schweden fanden in Stargard, das den Kaiserlichen zumMagazin gedient, schöne Vorräthe: 4000 Scheffel Korn, 1317 Ton-nen Mehl, mehrere Kanonen und viel Pulver und Kugeln. DieEroberung der Stadt war für die Schweden um so wichtiger,weil dadurch die Verbindung zwischen dem kaiserlichen Lager inGarz und den Garnisonen in Hinterpommern, namentlich zuColberg, wo nicht abgeschnitten, doch sehr erschwert wurde.
Da Stettin durch die Eroberung von Stargard gesichertschien, beschloß Gustav Adolph vorwärts zu dringen und einenVersuch gegen das Lager in Garz zu machen. Er suchte denGeneral Conti mehrmals aus seinen Verschanzungen hervor-zulocken, indem er ihm das Gefecht anbot. Aber Conti bliebin den Linien, und Gustav Adolph sah sich zu schwach, umeinen gleich starken Feind in seinem verschanzten Lager anzugrei-fen. Bei einer Besichtigung des feindlichen Lagers, welche der Königpersönlich unternahm, wäre er beinahe dem Verrathe erlegen. EinItaliener, Quinti del Ponte genannt, hatte sich bei GustavAdolph einzuschmeicheln gewußt, und eine Offiziersstelle erhalten.Der König beehrte ihn sogar mit einigem Vertrauen, welches dieserElende zur Verrätherei mißbrauchte. Fanatismus mag sein vor-geblicher, Golddurst der wahre Beweggrund gewesen seyn. Quintikorrespvndirte insgeheim mit dem kaiserlichen Lager in Garz,und machte sich anheischig, den König seinen Feinden in die Händezu spielen. Er wußte, daß Gustav Adolph, nur von wenigenReitern begleitet, wie es seine Gewohnheit war, am andern Tagezum Rekognosciren ausreiten werde, und zeigte es dem kaiserlichen