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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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biS nach Potsdamm. Alsbald verließen die kaiserlichen Gar-nisonen in Brandenburg, Rathen au und andern Ortendiesseits der Elbe ihre Posten, und zogen sich nach Magdeburgzurück. Auch der Oberste Kratz, der bisher mit einer starkenAbtheilung Reiterei in und um Zerbst gelagert hatte, ging überdie Elbe hinüber. In den Schanzen bei Dessau wurden Vor-kehrungen getroffen, daß die dortige Elbebrücke auf die erste An-näherung der Schweden zerstört werden konnte. Somit standdem Könige der gerade Weg von Potsdam über Alibran-denburg und Mvckern nach Magdeburg offen. In zweiTagen mochte er seine Banner vor der bedrohten Stadt entfal-ten. Gustav Adolph that dieß nicht. In der Vertheidigungs-schrift, welche er nach dem Falle Magdeburgs veröffentlicht?,behauptet er deßhalb nicht geradezu auf diese Stadt gezogen zuseyn, weil die erschöpften Marken seinem Heere keinen Unterhaltgewähren konnten, und weil ohne. den Beistand Chursachsensder schwedische Soldat hätte verhungern müssen. Dieser Grundbeweist zu viel, und darum Nichts. Denn ernährte der Königsein Heer nicht seit acht Tagen in ebendenselben Marken, undwarum hätte man die nöthigen Vorräthe nicht aus Berlin,Spandau und Potsdam nachführen können? Blieb nicht dasschwedische Heer nach dem Falle Magdeburgs noch mehr alseinen Monat in derselben Gegend stehen, ohne daß Chursach-s§n Zufuhren verabfolgen ließ? Allen Anzeigen nach waren dieächten Beweggründe des Königs folgende. Wenn er gerade aufMagdeburg marschirte, mußte er eine Schlacht gegen Tillywagen. Nun hatte er sich bisher ebenso fern von dem feindlichenOberfeldherrn gehalten, als dieser von ihm. Keiner von beidenwollte die Rolle des Angreifenden übernehmen. Den Schlüsselzu dieser Scheue gibt das französische Bündniß. Durch einenMarsch nach Magdeburg ergriff Gustav Adolph wirklichdie Offensive, er sezte sich dadurch den Vorwürfen seiner Verbün-deten aus, ohne an Macht im geringsten zu gewinnen. Wollteer dem bisherigen Zaudern gegen die Liga entsagen, so solltedieß nur mit Erringung sicherer Vortheile, namentlich nach er-folgtcm Beitritt des Churfürsten von Sachsen geschehen. Erhielt es für unklug, aus einem halben Feind einen ganzen zuschaffen, wenn er sich nicht zugleich einen neuen mächtigen Bun-desgenossen erwarb. Hiezu schien der gegenwärtige Zeitpunkt