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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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Kampf in der Stadl noch schwankte, hatte Pappenheim, «mdie fechtenden Bürger zu entmuthigen, Befehl gegeben, - die

es ein Prediger ist. Diese Vorstellung that bei ihm eine so guteWirkung, daß er von seinem Vorhaben ablies, und von unS ging.Kaum hatte uns dieser verlassen, so kam ein anderer mit einem bloßenDegen m der Hand die Treppe heraufaerannt, brachte mir einige ge-fährliche Wunden am Kopfe bei, und forderte mit Ungestüm und unterden entsetzlichsten Drohungen Geld, und weil meine Frau über diemir angethane harte Beleidigung äusserst wehklagte, so wollte er auchsie seine Wuth empfinden lassen, und wür,de ste gewiß durchstochenhaben, wenn nicht der Degen abgeglitten wäre. Ich blutete unterdes-sen sehr heftig, und mein weißer'Priesterkragen, wie auch mein Rock,war voll Blut. Dieß sowohl, als unsere Geduld schien ihn zu rühren.Ich benüzte diese Gelegenheit, ihm die Veranlassung, wie ich in diesesHaus gekommen sey, zu sagen, und ihn zu bitten, mit uns in unsereWohnung zu gehen, wo wir ihm alles, was wir noch besäßen, gebenwollten. Er nahm unsern Vorschlag an, und sagte in gebrochenemTeutsch denn er konnte diese Sprache nicht recht zu mir: Nunso komm, Ptaff, gib mir dein Geld, will dirs Wort sagen; JesusMaria ist das Wort: wenn du das sagst, thut dir Soldat nichtsmehr. Meine Frau hielt sich an seinem Mantel, und so wandertenwir mit einander fort."

Auf dem breiten Wege, der voll Leichname lag, wurde uns einvornehmer Officier gewahr.Kerl, mach's so mit den Leuten, daß eszu verantworten ist;" gleich darauf aber sprach er zu meiner Frau:Fasset meinen Steigbügel, nehmt euren Herrn bei der Handundführt mich in euer Haus; ihr sollt Quartier haben. Zu mir sagte ermit etwas leiserer Stimme, und mit der Hand winkend: Ihr Herren,ihr Herren, ihr hättet es auch wohl anders machen können. Ich wußteaber nicht, was er darunter verstand. Wie wir vor unserem Hauseankamen, fanden wir es mit Soldateck angefüllt, die sich mit Plündernbeschäftigten. Auf Befehl des Ofsiciers mußten sie sogleich dasselberäumen, und um uns vor ferneren Anfällen in Sicherheit zu setzen,gab er uns zwei von seinen Leibschützen zurWache, und befahl meinerFrau. für mich Sorge zu tragen, daß ich verbunden würde. Er ver-ließ uns, jedoch mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen.Unsere Wache hatte genug zu thun, die Soldaten, die mit aller Ge-walt in unser Haus dringen wollten, abzuhalten: und ließen sie sichendlich gleich durch die Nachricht, daß der Oberftwachtmeister vomSavellischen Regimente hier sein Quartier habe, abweisen, so bezeug-ten sie sich doch darüber sehr unwillig, und fragten: ob das auch rechtsey? Tilly hätte gesagt: drei Tage plündern, rauben und todtmachen.Indeß blieben wir doch verschont: und weil uns unsere Wache zuverstehen gab, daß ihre Kameraden eine ansehnliche Beute machenwürden, während sie hier müssig stehen; müßten: verehrten wireinem jeden zwei Rosenobel, womit sie auch vollkommen zufriedenwaren."

Unser Oberster kam seinem Versprechen gemäß bald zu uns zu-rück, hielt sich aber nicht lange auf, sondern eilte wieder fort, um zusehen, ob nicht zu Löschung des Feuers einige Anstalten gemacht wer-den könnten. Kaum war er bis auf den breiten Weg geritten, als erschleunigst wieder bei uns eintraf, und zu meiner Frau sprach: Frau,nehmt mein Pferd beim Zaum, und euren Herrn bei der Hand, undführt mich zur Stadt hinaus, oder wir müssen alle verbrennen. Denndas Feuer hatte schon gewaltig über Hand genommen, und hinterunserer Kirche auf dem breiten Wege sahen wir einen starken schwarzen