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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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nahmen die Schweden um diese Zeit ein, die Stadt selbst, welchevom Dome abgesondert liegt, blieb in den Händen der Kaiserli-chen. Eine andere Parthei überfiel das unweit Magdeburggelegene Städtchen Burg, wo ein kaiserlicher Hauptmann beimBanquet aufgehoben wurde. Dagegen erlitten die Schwedeneine Schlappe aus der Oberseite. Den 29. Juni, um Mitternachtüberrumpelte der Oberst Hans Götze mit seinem Kürassierregi-ment die Stadt Kvttbus, jagte das neugeworbene schwedischeVolk, das unter dem Obersten Boek daselbst lag, aus einander,und machte große Beute. Doch rächten sich die Schweden ei-nige Tage später durch einen unerwarteten Angriff auf Grüne-berg, wo 800 feindliche Reiter überfallen, und zum Theil nie-dergemacht, zum Theil gefangen wurden. Diese kleine» Gefechtehatten natürlicher Weise nur wenig Einfluß auf den Gang desKriegs.

Mit größerem Nachdruck wurden die Waffen geführt nach derRückkunft des Königs. Den 26. Juni zog G ustav Adolph seineStreitkräfte um Alt-Brandenburg zusammen und hielt Heer-schau. Das rechte Elbeufer bis nach Magdeburg hinauf wäri» seiner Gewalt, es galt jezt auch das linke, während TillysAbwesenheit zu gewinnen. Der größte Theil des Fußvolks bliebbci Brandenburg zurück, mit dem Befehl, die bereits begon-nenen Werke um diese Stadt in größter Eile zu vollenden, damitder Rücken des Heeres für künftige Unternehmungen gedecktwäre. Den 28. Juni brach Gustav mit 2000 auserlesenenMusketiren und fast der ganzen Reiterei in der Richtung nachder Elbe auf/ und erreichte am 29. Abends das Städtchen undKloster Jcrichow, das am Strom liegt. Dem Könige war Allesdaran gelegen, den Feind über den wahren Punkt, wo er denUebergang zu bewerkstelligen dachte, zu täuschen und ungehinderthinüber zu dringen. Also ließ er das Fußvolk in Jerichow,bekannte am folgenden Tage mit der Reiterei die ganze Streckezwischen diesem Kloster und der Magdeburger Brücke, undzwang den Feldmarschall Papp e nh ei m, der mit einigem Volkenoch auf dem rechten Ufer stand, hinüber zu flüchten. Währender so den Feind mit der Reiterei über seine wahre Absicht täuschte,*)

*) Kbevenhüller und Ehemniz erzählen einstimmig: Gu-stav Adolph sey am 29. Zum vor Zerrchow eingetroffen, habe amfolgenden Tage, also am 3». das ganze Ufer von Zerichow bisan die Magdeburger Brücke recognoscirt, sey wieder nach Jeri-cbow zurückgekommen, und habe in der Nacht vom 30. auf den 1.Zuli den Uebergang über die Elbe auf die oben erzählte Weise be-werkstelligen lassen. Dieß kann nicht wahr seyn, weil die Entfernungzwischen Zerichow und der Magdeburger Brücke viel zu groß ist,als daß man in einem Lage dieselbe Strecke zweimal durchziehenkönnte. Ohne Zweifel muß man sich die Sache so denken: zu gleicherZeit, während Gustav Adolph mit der ganzen Reiterei das rechteGfrörer, Gustav Adolph. 53