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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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übrig, das erlittene Unrecht Gott dem Allmächtigen anheim zustellen. Zwar habe man ihm längst vorausgesagt, daß er solchenLohn für seine Treue empfangen werde, aber er hätte nie daranglauben können, bis er es durch die That erfahren. Immer seyes sein Bestreben gewesen, aufs pünktlichste seine Pflichten gegendas Oberhaupt des Reiches zu erfüllen, und auch noch jezt ver-sehe er sich »»zu seinem lieben Kaiser,«« daß man nichtweiter, als was Recht sey, von ihm verlangen wolle. Allein daTilly mit Rauben, Plündern und andern Grausamkeiten in denChurlanden rücksichtslos fortfahre, so sehe er sich gezwungen, zuMitteln zu greifen, durch welche er diese Vergewaltigung abzu-wenden hoffen dürfe u. s. w.« Der Zweck dieses Schreibens war,wie man sieht, sich für zwei Fälle zu sichern. Wurde die Schlacht,welche bevorstand, gewonnen, so war es gut, und der Brief keineallzutheure Verschwendung; ging sie verloren, so hoffte er durchdaS papierne Mittel den Zorn des Kaisers einiger Maßen ent-waffnet zu haben. Wir wissen nicht, sollen wir diese Art zu rech-nen, einfältig oder schlau nennen, sie war wohl beides zugleich,dumm in der That, schlau dem Willen nach. Nachdem der Chur-fürst auf die beschriebene Weise für die Wechselfälle der Zukunftgesorgt zu haben wähnte, ließ er sein Heer von Torgau aus zudem schwedischen bei Düben stoßen. Es fand nun im vereinig-ten Lager ein großer Kriegsrath statt, an welchem der König, diebeiden Churfürsten von Brandenburg und Sachsen sammt den an-gesehensten Offizieren beider Heere Theil nahmen. Gewiß ist, daßGustav Adolph sich Anfangs für Verzögerung aussprach, aberob aus wahren oder Scheingründen, darüber wird gestritten.Einige (namentlich Puffendorf) behaupten, der König habedurch seine vorsichtige Reden den Churfürsten von Sachsen nurnoch hitziger machen, und auf den Fall eines Unglücks die Ver-antwortlichkeit der Verlornen Schlacht von sich abwälzen wollen.Dieß wäre möglich, aber man darf auch nicht vergessen, daß Ge-schichtschreiber von der schwedischen Parthei, nach den glücklichenErfolgen, welche die Breitenfelder Schlacht nach sich zog, denvorhergehenden Bedenklichkeiten des Königs absichtlich eine gün-stige Wendung gegeben haben mögen, weil sie es in ihrer aufgeregtenEinbildung unrühmlich fanden, daß ein so glorreicher Sieger vorder Schlacht gezögert haben sollte. Chemnitz und gewisserMaßen Gustav Adolph selbst in einem Briefe an Oxen-stierna*) sprechen sich anders aus. Ersterer berichtet: »DerKönig sey der Meinung gewesen, man solle nicht gerade aufLeipzig losgehen, sondern eine Bewegung auf die rechte Flankemachen, Halle und die Morizburg nehmen, Merseburgvon dort aus zu erobern suchen und den Feind auf diese Weiseumzingeln, damit er zulezt aus Mangel an Proviant seine jetzige

*) Iwttrss äs Kustav /eäolxks Seite 198.