aünstiae Stellung verlassen und selbst die Schlacht anbieten müsse.-»Dein« fährt Chemnitz weiter fort, »der Komg hätte gar nichtdaran'aedacht, daß Lilly so vermessen seyn und sich ohne Nothaus seinem Vortheil ins freie Feld wagen sollte. Wurde derselbemit stimm mächtigen Heere die unangreifbare Stellung hinterLeipzig einnehmen, so könne man ihm nichts anhaben, vielmehrsey er im Stande, seine Gegner abzumatten und zulezt zum Rück-züge zu nöthigen, der, als im Angesicht eines zahlreichen Feindesangetreten, nur mit großer Gefahr bewerkstelligt werden könne.«Sachverständige mögen darüber urtheilen, ob es dem Könige ernstwar mit diesen Gründen. 'So viel ist gewiß, daß GustavAdolph den feindlichen Feldherrn ganz richtig beurtheilte. Denngerade denselben Plan, der ihm vom Könige hier unterlegt wird,wollte Lilly befolgender ward aber durch widerstrebende Elementein seinem Heere daran gehindert. Mehrere Geschichtschreiber lassenden König, nachdem er obige Gründe entwickelt, folgende Redeim Kriegsrathe halten: »Wenn wir jezt eine Schlacht liefern, sositzen wir, des allgemeinen Wohles zu geschweige«, eine Krone undzwei Churhüte auf das Spiel, dlebcrall im menschlichen Leben,besonders aber im Kriege und in Haupttreffen ist das Glück wan-delbar; leicht möchte der Allmächtige nach seinem unerforschlichenRathe um unserer Sünde willen einen Unfall über uns verhän-gen, daß wir den Kürzeren zögen. Zwar würde dann meine Kronedurch den Untergang des Heeres und meiner Person einen großenVerlust erleiden; aber immer noch hat sie eine Schanze zum Besten,denn sie ist weit entlegen, jenseits des Meeres, von einer starkenFlotte vertheidigt, in ihren Gränzen verwahrt, und im Innernsteht noch ein zweites Heer zum Kampfe bereit. Dagegen um Euch,denen der Feind auf dem Halse und im Lande liegt, wird es,dafern die Schlacht übel ausläuft, ganz zind gar geschehen seyn,und Eure Churhüte dürften gewaltig wackeln oder gar springen.«Man sieht, diese Rede war hauptsächlich auf den Churfürsten vonSachsen berechnet. Aber Johann Georg ließ sich nicht ein-schüchtern; mit großer Hitze verlangte er schnelle Entscheidung,denn unmöglich sey es, daß Sachsen auch nur 14 Tage zweiso zahlreiche Heere unterhalte, der völlige Ruin seiner Landestehe in Frage, deßhalb werde er ganz allein auf Lilly losge-hen, dafern der König keine Schlacht wagen wolle. Jezt gabGustav Adolph nach, der Kriegsrath ging auseinander, wor-auf der Churfürst von Brandenburg, wahrscheinlich weil er dasPulver nicht liebte, sich verabschiedete und nach Berlin zurückreiste.
Die am vorigen Tage erfolgte Vereinigung beider Heere boteinen merkwürdigen Abstich dar. Die Sachsen zeigten sich wohl-genährt, gut gekleidet und bewaffnet, die Offiziere in glänzenderRüstung mit wallenden Federbüschen auf dem Haupt; bei denSchweden, dagegen sah man jene von Kriegsarbeit durchfurchten,sonnegebraunten Gesichter und zerlumpte Röcke, die damals über