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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, l. Capitel, §

Männern leiten zu lassen. Ein grosmüthiger Nacheiferwäre in ihm nur ein hitziger und jäher Einfall; und wenner auch ins Nachdenken verfiel, so konnte er doch nichteinmahl begreifen, was ihm Schande brachte. Indemer beständig durch spitzfindige Ausflüchte sich bey sich selbstwegen des ergriffenen schlimmsten Theils, auf den er mei-stens verfiel, zu rechtfertigen suchte, hakte er niemalsMuth genug, den bessern Theil zu ergreiffen, sobald der-selbige seiner blinden Neigung zum Frieden Gewalt an-that. Heinrich der IV, der diesen schwachen Prinzen garbald nach seinem wahren Werth schätzte, sagte: die Kö-niginn Jacob seye dem Röntg Elisabeth auf demThrone gefolget. Bey dem französischen Monarchen hatteder wenige Staat, den er auf einen solchen Bundsge-riossen zu machen hatte, mehr Eindruck, als die Ansu-chungen seines Ministers; und der Herzog von Sullibat fälschlich die Neigung seines Herrn zu den Ergötz-jichkeiten als die Ursache angegeben, warum derselbe ge-zaudert, sich öffentlich zu erklären.

Sulli, Heinrichs vornehmster Staatsbedienter,wareiner von denen vielvermögenden Geistern, welche, so-bald sie durch eine erlangte Fertigkeit im Arbeiten, unddurch die Erfahrung in den Geschäften bearbeitet und auf-gekläret worden find, sich über ein gemeines Glück undFähigkeit zu erheben wissen. Sie sind langsam ihrenSchwung zu wagen; aber sie sind auch stark lind müthiggenug, sich auf der erlangten Höhe zu erhalten, und sieerniedrigen sich fast niemals wieder. Da es sie gar vielkostet, sich einmahl so hoch zu schwingen, so würde es ih-nen allzuschwer fallen, sich wieder in die vorherigen niedri-gem Umstände herunter zu lassen; und daher ist eine über-triebene Hartnäckigkeit ihr großer Fehler. Mitten unterden ökonomischen Kunstgriffen und Sorgen, in welcheSulli sich vertiefet hatte, um seines Herrn des KönigsEinkünfte in Ordnung zu bringen und zu vermehren, ver-fiel dieser sonderbare Man« auf Anschläge, wie die von

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