Buch 
Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
JPEG-Download
 

4^4 Staatsgeschichte von einem

den Gedanken dazu a). Der berühmte Graf von Schaffts-bury war lange Zeit die Seele in seinem geheimen Rath,und warf sich nicht ehender als den Vertheidiger der Frey-heit auf, als bis er erkennete, daß Carl zu verzagt zu dengewaltsamen Entschließungen seye, die er ihm an dieHand, wider dieselbe, gegeben hatte. Der Doktor Bur-net, der so strenge Bestrafer anderer, verkaufte nieder-trächtiger Weise seinen Verstand, und seine Wissenschaftder Ausgelassenheit, die er uns doch mit den allerschwär-zesten Farben abmahlet />). Als ein nach Verlangen ent-scheidender Casuist, führte er Beweiße zum Behuf derMehrweiberey, um Earln in seinen Schwierigkeiten we-gen seiner Trennung von der Königinn zu trösten. Selbstder Ritter Temple war nicht allezeit standhaft gegen denReitz der königlichen Gewogenheit. Er empsieng mitvieler Danknehmigkeit eine Stelle, die er nicht mit Auf-richtigkeit versehen konnte.

Bey einer Regierung, wo das Beyspiel des Sou-veräns die Gewalt eines Gesetzes hat, kann man ohneZweifel den Fürsten die Laster seiner Unterthanen zurech-nen. Wann er sie einführet, wann er sie fortpflanzet,verdienet er um so viel mehr Vorwürfe, je weniger seinhöchstes Ansehen einer so verdammlichen Politik nöthighat. Aber in einer eingeschränkten Monarchie, wo dieGesetze der Nation erlauben, sich dem Könige zu wider-setzen , und mit demselben die Gewalt, Gesetze zu geben,theilen, da soll man es dabey bebenden lassen, die Aus-schweifungen eines verführerischen Prinzen zu beklagen;und man soll billig alle seine Verachtung für diejenigenvorbehalten, die, da sie doch dazu gesetzt sind, denselbenauf den rechten Weg zurückzubringen, ihn in seinen Irr-thum erhalten, und sich selbst von ihm dahin reisten las-sen.

») kLpm. 1'. IX x>. ZZ 7 . etc. p) Man findet am Endeder Memoiren des Johann Ker die zwo Entscheidun-gen dieses Doktors mit allen theologischen Vorberei-tungen über die Ehescheidung und Vielweibercy.