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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, XI. Capitel. 407

nes waren nicht von den Eigenschaften eines Staatsman-nes unterstützet; und man hatte so eine schlechte Meinungvon seiner Fähigkeit/ daß/ um ihn aus der Gunst desjungen Königes zu setzen / der Teilier und Colbert nichtsanders zu thun nöthig hatten/ als ihme vorzusagen/ Fou-quet verfträche sich / ihn zu regieren. Ludwig der XIVwar schon von dem Ruhme/ selbst zu regieren/ eingenom-men/ und wurde durch die geringe Hochachtung/ so derSurintendant für ihn zu hegen schiene/ beleidiget; da er-ieftm Staatsbedienten nichts anders zur Last legen sollte/als das; er von seiner eignen Geschicklichkeit zu sehr einge-nommen wäre. Der Rönig glaubte es wäre seinem An-sehen daran gelegen/ erkennen zu lassen/ daß die Hoff-nungen des Suriutendanten einzig und allein auf seineEinbildung von sich selbstcn/ gegründet seyen; und erüberließ sich dem Vergnügen/ ihn darüber/ auf die aller-demüthigendeste Art für einen Hofmann von seiner Erfah-renheit / zu bestrafen. Das Betrügerische und die Ver-stellung mischten sich niemals in den Charakter Ludwig desXIV. Den listigen Kunstgriffen des Colberts ist es zuzu-schreiben / daß der junge König seine königliche Majestätherunter setzte/ indem er mit allen möglichen Vorberei-tungen der Politik den Fall eines Hofmannes vollführte/den er durch ein einziges Machtwort hätte in den nie-drigsten Stand heruntersetzen können. Ludwig verdop-pelte seine Gefälligkeit gegen den leichtgläubigen Mini-ster ; er verblendete ihn durch neue Gnadenbezeugungen;er verschickte ihn weit in eine Provinz / gleichsam / als ober befürchtete / nicht Herr über des Fouquets Schicksalzu seyn / wann er mitten im Reich sich befände; er nä-herte sich mit Truppen der kleinen Pinsel ^)/ welche Fou-quet kaum wider einen Anfall der Seeräuber bevestigethatte; und er bereitete sich zu deren Bezwingung mit sovieler Unruhe/ als seine Vorführer nur immer wegen Rö-chelte bezeigen konnten. Endlich ließ er den Surinten-danten gefangen nehmen; und er that sich so viel darauf

Cc 4 zu

Bel-Ile, welche er dem Hauße Netz abgekauft hat.