408 Staatsgeschichte von einem
zu gute, als ob derselbe ein Guise oder Wollenstem ge-wesen wäre. Diese unwürdigen Handgriffe eines Sou-veräns , der es mit seinem Unterthan zu thun hatte , wa-ren das Werk des Colberts und des Telliers, welche demKönige beybrachten, daß / wann er den Surintendantenalso hinters Licht führte / er dadurch den Begriff von derErhabenheit seines vorzüglichen Verstandes bekräftigenwurde. Diese hatten, so zu sagen, ihr Opfer zuberei-tet, indem sie dem unglücklichen Staatsbedienten bey-brachten , daß er sich dem Könige gefällig machen würde,wann er sein Amt eines Gener alprocurarors beVmparlemenre , aufgeben möchte, eine Bedienung, des-sen Vorrechte seine Person unter dem Schuß der Gesetzebewahret hätte. Fouquet machte sich gar kein Bedenken,sich seines Schutzes zu berauben. Er hatte dem Staatedie 1400,000 Pfund die er von dem Verkauf derselbengezogen, geschossen, und seine Feinde machten ihm einVerbrechen aus seinem Vertrauen und aus seiner Gros«muth. Ludwig ward der Werkzeug der Leidenschaftenseiner Staatsbedienten, eben da er glaubte seine Unab-hängigkeit auf eine merkliche Art zu erweisen.
Diese Hofintrigue, davon die Geschichtschreiber kaumErwähnung thun mögen, ist die erste Ursache der un-umschränkten Gewalt, womit Ludwig der XIV regierethat, die Quelle, so wohl großer Dinge, die unter seinerHerrschaft ausgeführet sind worden, als auch unmäßigerFehler, wozu ihn seine Minister verleitet hatten. Tel-lier und Colbert, die alleine nebst dem Lyonne am Dretblieben, und in dem Herzen Ludwigs Glauben fanden,waren der Nation durch nichts anders anbefohlen, alsdurch die Wahl des Königs. Sie machten auch darausden einzigen Grund des Gehorsams den sie forderten;und um so wohl die Großen als das Volk unter ihren Wil-len, den sie für den Willen ihres Souveräns ausgaben,
zu
*) Diese MagiftratSperson kann nicht gefangen gesetzt wer-den, er muß vorher abgesetzt seyn.