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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, Xl. Capitel. 42-

zu beugen, so trieben sie die königliche Gewalt so hoch,als es ihnen immer möglich war. Die Entschlüsse desStaatsraths wurden den Parlementen als unwidersprech-liche Befehle vorgelegt; das Gutbesinden des Königswurde als das höchste Geseh von Frankreich angegeben.Weil sich diese Staatsbedienten vereiniget, um zu ver-hindern , daß die erste Stelle nicht wieder beseht werdenmöchte, so gaben sie sich gemeinschaftliche Mühe, demjungen Monarchen hohe Begriffe von seiner Geschicklich-keir und ein großes Zutrauen zu seinen Kräften beyzu-bringen. Da sie alle Theile der Regierung untersich getheilet hatten, sehten'sie in die wichtigsten AemterLeute, die eben auch wie sie durch die Arbeit gestiegen,und durch die Erfahrung gebildet worden sind; und diesebevestigten sich in den Bedienstungen, indem sie dem jun-gen König durch die gefaßten Entschlüsse, zu welchen sieihn mit vieler Geschieklichkeit leiten konnten, Ehre mach-ten. Nachdem sich die Eifersucht unter ihnen eingeschli-chen, so muften sie bey den gehaßigen Absichten einanderdie Beine unterzuschlagen und schlimme Streiche zu spie-len , auch immer diejenigen Entwürfe aus ihrem Depar-tement einander'entgegen sehen, welche am meisten einemjungen Prinzen gefallen konnten, der großen Ruhm liebte,ohne denselben wohl zu kennen; und der den Unterschiednicht begriffe, der sich zwischen einer glorreichen, und vielAufsehens machenden Regierung, befindet.

Die Nacheiferung machte aus dem Colbert einen un-vergleichlichen Minister beym Finanzwesen. Wie aberdiese Nacheiferung weder in dem alten Tellier, noch indem Louvois seinem Sohne, so einen fruchtbaren Grundfand, so bildete sie aus denselbm nur unermüdete Mini-ster beym Kriegswesen. Jedoch war es, um die Regie-rung ihres Herrn zu verherrlichen, schon hinlänglich, daßdieselbe sie auf das brachte, was die Besorgung des ih-nen anvertrauten Regierungstheils beträchtlicher machenkonnte« Das Wachsthum der Handelschaft, die Auf-

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