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und unachten Bewegursachen hergenommen. Es ist aberauch nicht weniger eine statthafte Wahrheit, daß die Fehl-tritte , so er in den sieben ersten Jahren seiner Regierungbegangen, keineswegs unter die größten Fehler, in An-sehung der Staatsklugheit, zurechnen sind, sondern siewaren, wann man die Beweggründe ausnimmc, das ge-ringste Uebel, so er ergreifen konnte, und die Wirkungder unglücklichen Umstände. Die Holländer, denen vielmehr als ihme daran gelegen war, Ludwig den XIV inSchranken zu halten, der sie mit seiner Nachbarschaftbedrohete, gaben gleicherweise der Beschaffenheit der Um-stände nach, obgleich mit viel grösserer Einsicht und wich-tigern Vorkehrungen sich aus denselben heraus zu ziehen.Eine grosse Macht ist keine Ursache zu Beschwerden widereinen Souverain, der keine Gelegenheit dazu durch dieMittel, wodurch er sie erlanget, an die Hand giebt; undder Grospensionarius van Witt sehte seine Republik indie äusserste Gefahr, indem er sich zu geschwinde über dieGefahr, darinnen sie sich befände, beunruhigte, und Lärmenmachte. Wann Ludwig der XI V sich nicht selbst der Fruchtder bezeigten Staatsklugheit in seinen ersten Jahren, be-raubet hatte, da er auf eine unverständige Art seinenEhrgeih ausbrechen ließ, welches die Angelegenheit derHolländer zur Sache aller Souveränen machte; so wür-den das Reich und Spanien, EngellNd und die verei-nigten Provinzen, die die Verschiedenheit ihrer Staats-vortheile in einer Trennung hielte, eines nach dem an-dern darzu geholfen haben, ihn zustl Schiedsrichter undMeister von Europa zu machen.
§» 4. Frankreichs Politik gegen die Republik der
Vereinigten Provinzen.
Nach dem grossen Interesse Pon ihrer Unabhängig-keit und Freyheit, lag den vereinigten Provinzen nichtsmehr an den Herzen, als der Flor von ihrer Handelschaft.Der Krieg, den sie wider den Protektor Cromwel mit
Nach-