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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, XI. Capitel. 43 5

seinen Ansprüchen auf das spanische Flandern in aller LeuteGemüthern rege gemacht habe , erklärte er auch, daß sei-ne Majestät sich nicht entschlagen könnten, denselben dieseFurcht zu benehmen; und alsobald legte er einen Planvor/ den er entworfen hatte/ zwischen Frankreich und derRepublik eine beständige Barriere oder Landwehre zu er-richten, vermittelst der freyzumachenden zehen Provin-zen , welche, wann sie sich der spanischen Herrschaft ent-zögen, eine zwote Republik, unter dem Schutz des Kö-nigs von Frankreich und der sieben vereinigten Provin-zen, ausmachen sollten. Dieser Entwurf litte keineSchwierigkeit, wann Ludwig der XIV zu dessen Ausfüh-rung Hand anlegen wollte. Van Witt meinte, daß dieFurcht die Staaten von sich abwendig zu machen, undseinen Ehrgeitz blos zu geben, den Monarchen bemüßigenwürde, seine gefaßte Staatsabsichk aufzugeben. Alleiner wurde gänzlich in Verwirrung gebracht, als der fran-zösische Staatsrath die Einwilligung seines Herrn ver-sprach, und zwar unter der Bedingniß, wann die Staa-ten die Jnfantinn Königinn für die wirkliche Erbinn desJnfanten Don Balthasars, ihres leiblichen Bruders, sowohl in Ansehung der Niederlande, als auch für die wahr-hafte Erbinn der Krone Spaniens, im Falle der Jnfant(nachher König Carl der II) ohne Nachkommen sterbensollte, erkennen würden. Der Jnfant Don Balthasar,Sohn des Königs Philip des IV , so wie die KöniginnGemahlinn Ludwig des XIV aus seiner ersten Ehe mit derElisabeth« von Frankreich, war gestorben 7z); und derStaatsrath von Frankreich führte schon das beruffene Jusdevolutionis, welches in einigen Theilen der zehen Pro-vinzen in Uebung war, im Munde. Also war die An-nehmung des wittischen Entwurfs unter diesen Bedingun-gen ganz widersprechend. Um den Verdruß und die Ver-legenheit des Pensionarius noch mehr zu vermehren, sowurde ihm die Wahl angeboten, ob er diese Emschrän-

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72) und zwar schon im Jahre 1646.