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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
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Jahrhundert, XII. Capitel. 45z

Hatte Carl der H, der aus dem zweyten Ehebette Philipdes IV entsprossen war, kein Recht seinem ältesten Bru-der nachzufolgen, als nach seiner Schwester, die mitdem Verstorbenen aus dem nehmlichen Ehebette entsprun-gen war. Dieses Recht ist es, worüber man sich in denpprenäischen Traktaten nicht vernahm, und das, was diein der Tripleallianz sich verbindenden Machte für unwi-dersprechlich erkennen musten.

§. 2. Zustand des Hofes zu Madrit.

Philip der IV war am 17 Sept. des Jahres i66sgestorben. Er hinterließ die Regierung der Königinnseiner Wittwe, indem er ihr einen Junta oder einenRath an die (Leite sehte. Aber sie entledigte sich gar balddieser Abhängigkeit; und der Jesuit Neidhart, ihr Beicht-vater, wurde ihr vorderster Minister. Der Pfaff wolltebey allen Grossen Furcht und Gehorsam haben; lind DonJuan von Oesterreich, der natürliche Sohn König Phi-lips , wurde vom Hofe entfernt, weil es schiene, als wollteer die Feinde des Günstlings wieder unter einander ver-binden. Man gab ihm Befehl in feine Statthalterschaft,die Niederlande abzugehen. Um ihn allen Vorwand zumUngehorsam hierinnen zu benehmen, erschöpfte der Hofalle sein Vermögen durch die Ausrüstung eines Geschwa-ders, aufweiche 8000 spanische Soldaten, und unge-fähr eine Million Piaster eingeschiffet wurden. DerPrinz stellte sich und weigerte sich abzureisen. Die Kö-niginn zeigte ihren Haß wider ihn öffentlich. Der Hoftheilte sich in zwo Partheyen. Die Flotte verzehrte sichin den Häfen; und die Staatsbedienten sowohl in denNiederlanden, als an den auswärtigen Höfen , wurdenihrer eignen Geschicklichkeit, und ihrem Eifer überlassen.Der Marquis von CaftelRodrigo, der in den Niederlan-den Befehlshaber war, war eben so kühn, als sein Hofschwach war.' Nicht eher, als da es schonj auf dem Bruchstunde, geschah es, daß er bekannte, wie die zehen Pro-

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