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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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454 SLaatsgeschichte von einem

> vinzen an und für sich nicht stark genug waren, der KroneFrankreich ihre Eroberungen streitig zu machen. Er warso vest von der Meinung eingenommen, daß andernMachten so viel an der Vertheidigung derselben gelegenwäre, daß er schon genug zu thun glaubte, wann er chreHülfe anzunehmen bewilligte; und um nur die Befreiungzu beschleunigen, that er den Staaten einen Vorschlag,ihnen Brügge, Ostende und noch andere Platze zu ver-pfänden. Sobald er merkte, daß sie an einem Bundewider Ludwig den XIV «weiteten, glaubte er, sie wärenschon in die Händel hineingezogen; und er nahm seinenVorschlag wieder zurück, der sie vielleicht wurde verfüh-ret haben. Gamara im Haag, Lisola zu London, ebenso verblendet als er, bey ihrer sonst so grossen Einsicht,liessen sich durch einige Beweise von einer Eifersucht ge-gen Frankreich verfuhren. Jener urtheilte, daß Ludwigder XIV viel zu ehrgeitzig wäre, als daß er seinen An-sprüchen würde Schranken setzen lassen, und glaubte da-her, die Generalstaaten, indem sie einmal auf sich genom-men, denselben zu zwingen, sich mit einem Stück vonden Provinzen begnügen zu lassen, hätten sich schon in dieNothwendigkeit gesetzt, ihn zu bekriegen: dieser sahenicht ein, daß Carl der II ganz besondere Ursachen habe,mit dem Könige von Frankreich nicht zu brechen , undglaubte denselben schon für Spanien gewonnen zu haben,indem et die Ungnade, in welche der Graf von Clarendon,ein Anhänger von Frankreich, gefallen, befördern half.Diese falschen Vorstellungen überlieferten die zehen Pro-vinzen den französischen Waffen, Spanien aber schlech-terdings der Barmherzigkeit anderer Mächte; und derHof zu Madrit, sowohl innerhalb als ausserhalb seinesReichs von allen Hülfsmitteln entblöset, muste dasjenigefür gewonnen ansehen, was es nicht verlohr.

§. z. Bezeigen des französischen Hofes.

Der Krieg zwischen Engelland und der Republik warkaum ausgebrochen, als Philip der IV verstarb. Das Mi-