482 Staatsgeschichte von einem
schlössen, eine Flotte von fünf und zwanzig Schiffen andie Mündung des Tagus abzusenden, womit sie den Kö-nig Johannes wohl zur Restitution zu zwingen gedachten.Nun befürchteten sie aber, der Monarch würde eineStandhaftigkeit annehmen, eine Pflanzstätte zu behaup-ten, die künftig sich alleine würde vertheidigen können.So geschwächt und erschöpft als sie durch den Krieg mitEngelland waren, unterstunden sie sich nicht, sogleich wie-der einen neuen anzufangen; und um die Provinzen, wel-che der Verlust von Brasilien schmerzte, zufrieden zNstellen, bestraften sie die Unglückseligen, die gezwungenwaren der überlegenen Macht zu weichen. Die zwey fol-genden Jahre liefen dahin, ohne daß die Rachgierde auS-gebrochen wäre. Der französische Hof war in Sorgen,daß unter diesem, äusserlich kaltscheinenden, Blute nichtetwan eine geheime Unterhandlung mit Spanien verbor-gen stecken möchte; deswegen vereinigte er sich mit dem,schon wider Spanien erklärten, Cromwel, um die Staa-ten mit Portugall auszusöhnen. Johannes der IV wargestorben 76). Die Veränderung in der Regierung ge-stattete nunmehr in verschiedenen Punkten nachzugeben,worinnen der verstorbene König, Ehren halber, nicht wür-de nachgegeben haben. Die Regentinn wollte den Frie-den. Aber Personen, welche Antheil an dem Verlusteder westindianischen Gesellschaft nahmen, hatten in derRepublik ein grosses Gewicht; und ihre Bemühungenverursachten, daß man die französische Mediation verwarf»Nur allein, um Ludwig den XIV und Cromweln nicht zubeleidigen, versprachen die Staaten, die Feindseligkeitengegen Portugall also einzurichten, daß die Spanier kei-nen Vortheil davon sollten ziehen können. Nach diesergeschehenen Erklärung richtete die holländische Flotte ihreSegel nach der Mündung des Tagus, allwo sie ihre De-xucirten aussetzte, welche die letzte Aufforderung an denminderjährigen König und die Regenten sollten ergehenlassen.
Es
76) den 6 Novemb. r6;6.