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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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482 Staatsgeschichte von einem

schlössen, eine Flotte von fünf und zwanzig Schiffen andie Mündung des Tagus abzusenden, womit sie den Kö-nig Johannes wohl zur Restitution zu zwingen gedachten.Nun befürchteten sie aber, der Monarch würde eineStandhaftigkeit annehmen, eine Pflanzstätte zu behaup-ten, die künftig sich alleine würde vertheidigen können.So geschwächt und erschöpft als sie durch den Krieg mitEngelland waren, unterstunden sie sich nicht, sogleich wie-der einen neuen anzufangen; und um die Provinzen, wel-che der Verlust von Brasilien schmerzte, zufrieden zNstellen, bestraften sie die Unglückseligen, die gezwungenwaren der überlegenen Macht zu weichen. Die zwey fol-genden Jahre liefen dahin, ohne daß die Rachgierde auS-gebrochen wäre. Der französische Hof war in Sorgen,daß unter diesem, äusserlich kaltscheinenden, Blute nichtetwan eine geheime Unterhandlung mit Spanien verbor-gen stecken möchte; deswegen vereinigte er sich mit dem,schon wider Spanien erklärten, Cromwel, um die Staa-ten mit Portugall auszusöhnen. Johannes der IV wargestorben 76). Die Veränderung in der Regierung ge-stattete nunmehr in verschiedenen Punkten nachzugeben,worinnen der verstorbene König, Ehren halber, nicht wür-de nachgegeben haben. Die Regentinn wollte den Frie-den. Aber Personen, welche Antheil an dem Verlusteder westindianischen Gesellschaft nahmen, hatten in derRepublik ein grosses Gewicht; und ihre Bemühungenverursachten, daß man die französische Mediation verwarf»Nur allein, um Ludwig den XIV und Cromweln nicht zubeleidigen, versprachen die Staaten, die Feindseligkeitengegen Portugall also einzurichten, daß die Spanier kei-nen Vortheil davon sollten ziehen können. Nach diesergeschehenen Erklärung richtete die holländische Flotte ihreSegel nach der Mündung des Tagus, allwo sie ihre De-xucirten aussetzte, welche die letzte Aufforderung an denminderjährigen König und die Regenten sollten ergehenlassen.

Es

76) den 6 Novemb. r6;6.