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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert/ Xlll. Capitel. 48z

Es sey nun daß die Republik sich einer grossen Ueber-legenheit gegen die Kräften Portugalls gewiß bewust war,um denselben ungestraft trotzen zu können; oder es seye,daß der grosse Reichthum den Staaten einen allzuhohenBegriff von ihrer Macht erwecket hatten genug, die De-putation vollstreckte den aufgehabten Befehl mit alle deinStolz und der Hoheit, deren sich das alte Rom angemaßethatte. Sie verlangte an der Regentinn die völlige Wie-dereinraumung der, von den Holländern in Afrika undAmerika eingenommen gewesenen, Lande, und eine sehrbeträchtliche Geldsumme zur Schadloshaltung der Com-pagnie wegen der Kriegskosten und Verluste. Sie drangauf eine schleunige und ausdrückliche Antwort, in Er-manglung derselben kündigte sie den Krieg an. Die Re-gentinn war keine Prinzeßinn, die dergleichen schimpfli-che Gesetze annehmen mochte. Die Republik hatte garkein Recht auf Brasilien. Es gehörte der Krone Portu-gal! zu, als sie es für einen Theil Spaniens hinweg nahm;und die übrigen portugiesischen Besitzthümcr, welche die-selbe angefallen hatte, befanden sich, seit dem sich Portu-aall wieder frey gemacht, vollkommen in einem ähnlichenFalle mit einem Schiffe, welches ein Bundsverwandter,der es dem feindlichen Corsaren abgenommen hat, ver-bunden ist, seinem ersten Eigenthumsherrn wieder zu ge-ben. Die Deputirten verwarfen mit vielem Stolz dasAnerbieten der Regentinn von einer Vergütung gleichenWerthes. Da sie für gewiß annahmen, .daß^ sichs diePortugiesen für ein Glück halten mästen, die ihnen vor-gelegten Bedigniffe anzunehmen, so verdoppelten sie dieDrohungen. An statt aber eine Furcht einzujagen, er-zeugten sie Erbitterung. Die Regentinn hielte den Kriegschon für angekündigt; und sie ließ die in ihren Häfen be-findlichen holländischen Schiffe in Arrest nehmen. Dieabgeordneten Rathsherren protestirten mit einer stolzenErnsthaftigkeit, wider diese vorgegebene Beleidigung: sieverlangten vorgelassen zu werden, um in Gegenwart desganzen Hofs, auf gut römisch, ihre Kriegsankündigung

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