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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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496 Staatsgeschichte von einem

sind nicht mehr seine vornehmsten Pflichten« Die, durcheine einmüthige Uebereinkunft unter seines Gleichen, an,genommenen Regeln und Maximen , machen seine Gesetzeaus. Diese bezeichnen ibm den Endzweck, und setzender Ermanglung an Treu und Glauben, die ihm oft un-entbehrlich ist, ihre Schranken; diese machen sie erlaubt,ja sie'machen gar eine Tugend daraus. Oxenstiern undRichelieu - die mehr als einmal bundbrüchig und ihrengeleisteten Versprechungen ungetreu waren, die öfterszum voraus entschlossen gewesen, die Verheißungen, so siegeben würden, nicht zu erfüllen, sind nichts anders alskluge und ausgemachte Staatsmänner gewesen. Sie hat-ten das Recht der Staatsklugheit (Droit politique) zu ih-rem Anführer, eine Art eines Gesetzbuches, so die Ver-nunft angegeben, nach welchem der Staatsmann gehal-ten ist, alle seine Absichten und alle seine Unternehmun-gen einzurichten, zum Besten nehmlich der Völker. Die-ser Codex enthalt das allerhöchste Gesetz der höchsten Herr-schaften, und macht aus ihren Ministern eine abgesonderteGesellschaft, welche sich nicht nach andern Societäten ab-messen lässet.

Der Pensionarius Johann van Witt würde viel-leicht der größte Staatsmann seiner Zeiten gewesen seyn,wann ihn seine Vorurtheile nicht gehindert hätten, .sichdieses Vorzugs theilhaftig zu rnachen. Tugendhaft alsein Bürger, und sonnen von einer Leidenschaft beherrschet,die sich mit den Begriffen eines solchen zusammen reimet,blieb er halsstarrig darauf, die Rechtsklugheit der Reichezu verkennen, und die Gesetze der Souveränen, mit denGesetzen, die einzelnen Personen ihre Schuldigkeit ankün-den / zu vermengen. Daher käm die erschreckliche Er-schütterung, welche die Republik der vereinigten Provin-zen fast zu Grunde gerichtet hätte. Der Ritter Templehatte dem Pensionarius gesagt, daß die Tripleallianz dieStaaten in eine Nothwendigkeit versetze mit Frankreichzu brechen. Eastel Rodrigo und,van Beuningcn hatten