Buch 
Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
JPEG-Download
 

502 Staatsgeschichte von einem

gen der Vertheidigung ihrer Besißchümer auf etwas ge-wisses einließe, solches deswegen geschahe, weil sie sichdie Hoffnung machte, daß dieselben die' ganze Last nochdavon auf sich nehmen würden.

Der Churfürst von Brandenburg, bey welchemFrankreich anhielt, sich entweder für oder wider die Re-publik zu erklären, versprach in einer Gleichgültigkeit ge-gen Leute, die sich selbsten blindlings ihrem Glücks-sterne überließen, zu verharren. Der Churfürst vonCölln vereinigte mit der Empfindlichkeit Ludwig des XIVdie seinige. Der Bischof von Münster schiene bereit zuseyn, sich an denjenigen zu verkaufen, der ihn kaufenwollte. Der König von Engelland ließ sich eine Untreuebezahlen, welche der Vortheil sein-r Völker ihme angera-then. Schweden zog eine einträgliche Neutralität be-schwehrlichen Verbindlichkeiten vor, durch welche er we-nig Nutzen ziehen sollte. Selbst der Kaiser versprach,Spanien und die Republik dem Ehrgeitz eines Prinzen,den er haßte, preis? zu lassen. Diese erstaunenswürdigeVeränderung war die Frucht von der unverständigen Tu-gend des Pensionarius sowohl, als von der staatsklugenGeschicklichkeit der französischen Minister.

§. 4. Französisches Bezeigen gegen dieselbe.

Die Rechtsklugheit der Staatskunst bestünde damalsin Europa darinnen, daß die Mächte, die niemandenRechenschaft als sich selbst, wegen der Vorkehrungen zuihrer Selbsterhaltunq zu geben hatten, mit denen andernSouverainen in Frieden lebten, wider welche sie keinenoffenbaren Krieg führten. Ludwig der XIV, welcher denschlechtesten Vorwand begierig würde ergriffen haben mitder Republik zu brechen, glaubte dock nicht, daß die Staa-ten ihme dergleichen Vorwand an die Hand gebeten, durchihr eifriges Bemühen, einen Bund vester zu verknüpfen,den sie wider ihn errichtet hatten. Obgleich diese Liga,