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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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5Z4 Staatsgeschichte von einem

kühr seines Feindes überlassen. Aber diese übertriebeneAbhängigkeit, worein ihn die Prinzeßmn Grosmutter inAnsehung der Vormünder sehte, welche sie ihm selbst ge-schaffet, hatte keine andere Wirkung, als die Bande derAdoption zusammen zu knüpfen , mit welcher sich die Staa-ten / nach des van Witts Willensmeinung, nicht einlas-sen sollten. Man jähe gar bald, daß die PrinzeßmnWittib eine Handlung von grosser Klugheit unternommenhatte, indem sie ihre eigne Parthey entwaffnete. Alsdie, in der Tripleallianz übernomnrene, Verbindlichkeit,die Anwerbung einer Armee zu beschließen, veranlaßte,stimmten fünf Provinzen einmüthig dahin, derselben denPupillen des Staats als obersten Feldherrn vorzusehen;und van Witt, obgleich von den Provinzen, Holland undUtrecht, unterstühet, wurde nicht angehört, wann er einMiStrauen anempfahl in Rücksicht auf einen Prinzen,welcher, wann er auch den allergrößten Ehrgeih gehabthätte, sich aus Ehrerbietigkeit für die Staaten, der Mittel,demselben ein Genügen zu leisten, beraubet hatte.

Die Unruhe des Pensionarius war äusserst groß. Esmochte nun zu einem Krieg mit Frankreich kommen odernicht, so war die Republik doch nothgedrungen, eine Ar-mee auf die Beine zu stellen, und man muste einen Feld-herrn ernennen. Turenne, welcher diese Stelle schonausgeschlagen hatte, als es noch gar keinen Anschein dazuhatte, daß dieselbe ihn, gegen den König seinen Souve-rän das Schwerd zu zücken, verbinden sollte, ließ esnun wohl bleiben sie anzunehmen, als die Armee, darüberman ihm die Befehlshabersstelle anbot, bestimmt seynsollte, den König Ludwig den XIV entweder zurücke zu trei-ben oder abzuhalten. Es war sonst kein Ausländer, des-sen hoher Ruhm, wie der Turenne, der Erkenntlichkeit,so die Staaten dem Erben ihres Stifters schuldig wa-ren , die Waagschale halten konnte. Es war auch keiner,auf den der van Witt das nehmliche Zutrauen hätte werf-en mögen. Er begriff, daß früh oder spat der junge Prinz

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